„Der Krebs hat uns die Liebe gebracht“

Von Niels Pauls

Kategorien: Happy End, Schicksale


Datum: 02.06.2015

Das Schicksal hatte beide hart geprüft. Katrin(22) erkrankte an Lymphdrüsenkrebs, Rosario(25) an Hodenkrebs. Chemotherapien und Bestrahlungen bestimmten ihr Leben. Was passiert, wenn die Liebe den Krebs besiegt, zeigt ihre Geschichte. Sie lernten sich kennen, als sie zur onkologischen Nachsorge in einer Klinik waren. Sie machten sich gegenseitig Mut und unternahmen viel zusammen. Aus Freundschaft wurde Liebe, die beiden zogen zusammen. Mittlerweile sind sie krebszellenfrei, sie wollen heiraten und Kinder bekommen.  BrandZeilen.de hat in Minden das glückliche Paar besucht.

Es ist ein Bild tiefer Zuneigung und inniger Liebe. Arm in Arm sitzen Katrin(22) und Rosario(28) auf einer Parkbank und lächeln in die Kamera. Sie sind  mit uns noch einmal an den Ort gefahren, an dem das Schicksal sie zusammengeführt hat: auf das Gelände der onkologischen Nachsorgeklinik im ostwestfälischen Bad Oexen. Wenn die Liebe den Krebs besiegt, könnte unter dem Foto stehen. Denn beide jungen Leute waren an Krebs erkrankt, das Schicksal hatte sie schon sehr früh einer harten Prüfung unterzogen. Nach der Chemotherapie lernten sie sich hier kennen und lieben, seitdem sind sie unzertrennlich. „Der Krebs hat uns die Liebe gebracht, er hat uns für immer zusammengeschweißt“, sagen die beiden wie aus einem Mund.

Katrin Dick erkrankte kurz nach ihrem Schulabschluss an Lymphknotenkrebs. Es begann mit Juckreiz in den Beinen, dann bekam sie Atemprobleme. Ärzte tippten zunächst auf eine Schilddrüsenerkrankung, dann auf eine Bronchitis, verschrieben ihr Asthmaspray. Erst Monate später fand man die wahre Ursache für ihre Beschwerden heraus: bösartiger Lymphknotenkrebs. „Schon meine Mutter war daran erkrankt. Alss ich die gleiche Diagnose bekam, zog es mir den Boden unter den Füßen weg“, erinnert sich die Kölnerin an den für sie so schicksalhaften Moment.

Ihre Situation beschrieben die Ärzte als „kritisch“. Aufgrund der vorangegangenen Fehldiagnosen war kostbare Zeit verstrichen, der Tumor in den Lymphknoten drückte schon auf ihre Lunge, der Krebs hatte Teile ihres Körpers in erschreckender Geschwindigkeit in Besitz genommen. Es folgten zwei schwere Krebsoperationen innerhalb von zwei Wochen. Dann Bestrahlungen und eine mörderische Chemotherapie.

Den Gedanken an den Tod habe ich, so gut es ging, verdrängt, obwohl ich am Boden zerstört, erschöpft und körperlich und psychisch am Ende war“, erzählt Katrin, der schon nach der ersten Chemo die Haare ausfielen. Um nicht jeden Morgen die Glatze im Spiegel ertragen zu müssen, legte sie sich eine Perücke zu, Aber sie war fest entschlossen, gegen den Krebs, der sich in ihren jungen noch jungen Körper gefressen hatte, anzukämpfen und nach vorne zu schauen. „Ich werde dem Krebs Paroli bieten und ihn besiegen“, war fortan ihre Devise.

 Als sie Monate später nach Strahlen- und Chemotherapie zur Reha nach Bad Oexen fuhr, war ihr Tumor schon merklich geschrumpft, ihre Haare begannen, wieder zu wachen. Sie war die jüngste in einer Gruppe von jungen Menschen, die allesamt zur onkologischen Nachsorge in der Klinik waren. Einer von ihnen war Rosario, ein Gärtner aus Minden, der an Hodenkrebs erkrankt war. Auch Rosario war durch die Hölle gegangen, der befallene Hoden musste operativ entfernt werden, und da der Krebs sich auch schon im linken Hoden festgesetzt hatte, rückte man dem Krebs ebenfalls mit Chemo- und Strahlentherapie zu Leibe.

 „Lass uns zusammen eine Runde im Klinikpark spazierengehen“, sprach Katrin den etwas schüchtern wirkenden Rosario an. Ein harter Reha-Tag mit Raucherentwöhnung, autogenem Training und Fitness lag hinter ihr. „Meine Ängste, ob sich denn ein Mann je wieder für mich, die Frau mit Glatze und Krebs im Körper, interessieren würde, waren in diesem Augenblick plötzlich wie weggeflogen. Ich fühlte mich sofort zu ihm hingezogen“, erinnert sich Katrin an ihre erste Begegnung mit Rosario, der von der aufgeschlossenen Kölnerin begeistert war. „Es war toll, stundenlang mit ihr über Gott und die Welt zu reden“, so der Westfale.

Vier Wochen lang waren die beiden unzertrennlich, sie verbrachten in der Klinik nahezu jede freie Minute zusammen. Sie sprachen über ihre schweren Erkrankungen, ihre Ängste, ihre Sorgen und Nöte. Aber auch, wie sehr sie sich wünschten, wieder ganz gesund zu werden und irgendwann ein Leben ohne diesen verfluchten Krebs führen zu können.

 „Als ich nach der Reha wieder Zuhause in Köln war, spürte ich, dass mir etwas fehlte, und das war Rosario“, verrät Katrin, die schließlich zum Hörer griff und ihren liebgewonnenen Freund aus der Reha nach Köln einlud. Auch Rosario verspürte eine Sehnsucht nach Katrin. Nach der jungen Frau, mit der er sich so gut verstanden und die ihn stets aufgemuntert hatte, wenn es ihm psychisch wieder einmal schlecht gegangen war.

Als sie sich ein paar Tage später am Rhein wiedersahen, hatten beide schon Schmetterlinge im Bauch. Aus Freundschaft und Zuneigung wurde Liebe. Eine erste zärtliche Berührung, der erste innige Kuss, die erste gemeinsame Nacht. Seitdem sind sie die beiden über beide Ohren verliebt und unzertrennlich. Als gegenseitigen Liebesbeweis befestigten sie ein Schloss an der Kölner Hohenzollernbrücke und als Zeichen der ewigen Zusammengehörigkeit warfen sie die die Schlüssel in den Rhein.

  „Endlich weiß ich, wie es ist, wenn man die große Liebe seines Lebens trifft“, strahlt Katrin, die mittlerweile nach Minden gezogen ist, wo sich die beiden ihre erste gemeinsame eigene Wohnung genommen haben. „Rosario ist der Richtige, das spüre ich. Er ist der Mann, mit dem ich durchs Leben gehen möchte“, sagt Katrin glücklich.

  Nicht nur die Erfahrung mit der Krankheit hat die beiden zusammengeschweißt. Die Schmerzen, die Zukunftsangst, all das ist beiden bekannt, es gehört zu ihrem Alltag, auch wenn beide jetzt krebsfrei sind und in ein paar Jahren als geheilt gelten werden. „Wir können zu jeder Tages- und Nachtzeit über den Krebs und unsere Ängste reden, ohne ein schlechtes Gewissen dem anderen gegenüber haben zu müssen“, sagt Rosario, der immer noch mit einem mulmigen Gefühl zu jedem anstehenden Nachsorgetermin geht und vorher tagelang sehr schlecht schläft.

  Als nächstes will sich Katrin nach einer Lehrstelle als Köchin oder als Veranstaltungskauffrau umsehen. Dann wollen die beiden heiraten und als Krönung ihrer großen Liebe Kinder bekommen. Was auch nach ihrer Krebserkrankung kein Problem sein dürfte. Denn Katrin ist trotz der Strahlenbehandlung fruchtbar geblieben und Rosario hat sich zur Sicherheit vor der Krebsoperation und der Strahlenbehandlung seinen Samen einfrieren lassen – für den Fall, dass seine Fruchtbarkeit nicht wiederkommt.

„Wenn mich Rosario in den Arm nimmt, mich zärtlich küsst, mir ins Ohr flüstert, wie sehr er mich liebt, und wir dann über unsere Zukunft mit eigenen Kindern reden, bin ich der glücklichste Mensch der Welt“, strahlt Katrin. „Dann bin ich gar nicht mehr böse, dass ich an Krebs erkrankt war. Denn ohne den Krebs hätte ich die Liebe meines Lebens nicht gefunden. Der Krebs hat uns die Liebe und das Glück gebracht.“

niels.pauls@brandzeilen.de

 

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Info


Wie sich Emotionen und Gefühle auf eine schwere Erkrankung auswirken können

Die Diagnose Krebs bedeutet für Betroffen und ihre Angehörigen häufig einen tiefen Einschnitt in ihr Leben. Krebspatienten müssen sich neu orientieren und Möglichkeiten finden, mit den veränderten Lebensumständen zurechtzukommen.

Angst, seelische Verletzungen, Kummer oder Stress wirken sich negativ auf unsere Gesundheit aus und können auch einen Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Je weniger Stress wir empfinden, desto stärker wirkt unsere körpereigene Abwehr gegen Krebszellen.

Noch gibt es keine Beweise dafür, dass die Emotionen eine nachhaltige positive Wirkung auf den Krebs haben. Aber Studien belegen, dass eine positive Einstellung zum Leben, Zufriedenheit, Liebesglück und eine funktionierende Beziehung positive  Auswirkungen haben können.

Eine positive Lebenseinstellung erzeugt bei einer Krebserkrankung zudem das Gefühl, selbst etwas zum eigenen Glück und Wohlbefinden beizutragen und der Krankheit nicht völlig ausgeliefert zu sein.

Weitere Infos unter www.krebsinformationsdienst.de

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