Das unermessliche Leid der Bären in der Ukraine

Von Bianca von Heyden

Kategorien: Happy End


Datum: 05.07.2015

Das Leid der Bären in der Ukraine ist unermesslich. Viele werden im Alter von nur wenigen Monaten auf Märkten als Kampfbären verkauft, oder sie müssen zur Belustigung der Gäste vor Restaurants unter unvorstellbaren Qualen tanzen und Schnaps trinken. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat sich die Rettung der Bären auf ihre Fahnen geschrieben. Brandzeilen.de war dabei, als zwei Bärinnen aus ihrer Hölle befreit werden konnten.

Den deutschen Tierschützern bot sich ein Bild des Jammers. Sie hatten Tränen in den Augen, als sie die Plane des LKW-Anhängers zur Seite schoben. Eingepfercht in viel zu engen Käfigen fristeten hier zwei Bären ein trauriges Dasein. Ihr Kopf war übersät mit eitrigen Wunden und tiefen Narben. Nur spärlich von der Plane geschützt, waren die Bären der sengenden Hitze schutzlos ausgeliefert. Schon seit Jahren vegetierten die etwa zehn Jahre alten Tiere in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf dem Grundstück eines ehemaligen Zirkusdompteurs vor sich hin. Ohne medizinische Versorgung und ohne ausreichende Ernährung.

Die beiden geschundenen Kreaturen gehören zu den etwa einhundert Bären, die im Reich des Schokoladenkönigs Poroschenko unter schrecklichsten Bedingungen gehalten und gequält werden. Viele werden im Alter von nur wenigen Monaten auf Märkten als Kampfbären verkauft. Sie vegetieren in winzigen Käfigen auf bloßem Betonboden und dürfen ihre Käfige nur verlassen, wenn Jagdhunde sie angreifen sollen. Die Hunde werden von ihren Besitzern abgerichtet, einen wehrlosen, angeketteten Bären anzugreifen.

Um möglichst schwache Gegner für die Hunde zu sein, erhalten die ukrainischen Kampfbären kaum Futter und nicht einmal genügend Wasser. Den meisten wurden in einer schrecklichen Tortur bei vollem Bewusstsein die durchbluteten Krallen gezogen. Das ist etwa so, als würde man einem Menschen die Fingerkuppen abschneiden. Desinfiziert wird mit heißer Asche und Schnaps. Die Bären in der Ukraine sind von frühester Kindheit unermesslichem Leid ausgesetzt.

Im Reich des Schokoladenkönigs ist Tierliebe ein Fremdwort

Zwar ist die private Haltung von Bären auch in der Ukraine seit 2011 offiziell verboten, doch Poroschenkos Behörden zeigen keinerlei Interesse, die Tiere zu konfiszieren, sie medizinisch zu behandeln oder artgerecht unterzubringen. Tierliebe oder Verantwortung für unsere vierbeinigen Mitgeschöpfe sind in Poroschenkos Reich Fremdwörter. Der Oligarch, dessen skrupelloses Regime im Osten des Landes einen blutigen Krieg gegen sein eigenes Volk führt, kennt kein Mitgefühl und erst recht keine Tierliebe.

Wegen der starken psychischen Belastung der Bären und zahlreicher Verletzungen, die sie durch die Jagdhunde und schlechte Haltungsbedingungen erleiden, können die Bären meist nur eine kurze Zeitspanne für die Bärenkämpfe genutzt werden. Danach werden sie billig an Restaurants oder Bars verkauft. Zur Belustigung der keifenden Gäste müssen sie dort „Kunsttücke“ zeigen oder Alkohol bis zum Umfallen trinken.

Dabei bedienen sich die Bärenhalter brutalster Methoden. Damit die Bären zur Belustigung der Restaurantbesucher auch auf Kommando „tanzen“, werden die Bären schon als Jungtiere zur immer gleichen Musik angekettet und auf heiße Eisenplatten oder glühende Kohlen gestellt. Irgendwann „tanzt“ jeder Bär sofort vor Angst von einem Fuß auf den anderen, sobald er nur diese eine Melodie hört. Selbst bei größter Hitze müssen die Tanzbären auf heißem Asphalt ihre Runden drehen. Als Belohnung bekommen sie weißen Zucker, Weißbrot und viel Schnaps.

Zwei Bären blieb weiteres Leid erspart

Doch der Besitzer der beiden Bärinnen  - die Tierschützer hatten sie Julia und Zoya getauft - hatte noch schlimmeres mit den beiden vor. Weil der ehemalige Zirkusdompteur der Tiere überdrüssig war und kein Geld mehr die Versorgung der Bären aufbringen wollte, sollten die zwei Bärinnen an eine ukrainische Kampfbärenstation verkauft werden. Dort müssen die Bären in bestialischen Hundekämpfen ums Überleben kämpfen. Es ist jedes Mal ein blutiger Kampf auf Leben und Tod zwischen einem Hund und einem Bären.

Nachdem VIER PFOTEN- Mitarbeiter vor Ort vom Schicksal der beiden Bärinnen erfahren hatten, machten sich sofort Carsten Hertwig, VIER PFOTEN Bärenexperte aus Mecklenburg-Vorpommern, und sein Team auf den Weg nach Kiew. Die Rettung der beiden Bären und ihre Unterbringung in die nahegelegene Bärenstation Nadiya in Zhytomyr stand auf ihrem Programm. Hier hatte die Tierschutzorganisation, die sich seit 2012 in der Ukraine engagiert, erst vor kurzem eine Zuflucht für Bären geschaffen.

In Windeseile hatte man ein bestehendes Gehege für Julia und Zoya umgebaut und den Bau eines zusätzlichen Eingewöhnungsareals für die beiden Bärinnen in Auftrag gegeben.

Neues Zuhause für Julia und Zoya in einer vorbildlichen Bärenstation

Der Halter von Julia und Zoya zeigte sich den Tierschützern gegenüber kooperativ. Nachdem sie die Bären freigekauft hatten, ging es in einem Transporter direkt zur Station Nadiya. „Die Bärinnen haben den Transport gut überstanden, aber sie wurden erst einmal getrennt voneinander untergebracht“, berichtet Carsten Hertwig. „Neben den Narben und Wunden im Gesicht, vermutlich von den Käfigstangen, zeigten beide Tiere starke Verhaltensauffälligkeiten. Zudem steht zu befürchten, dass Zoyas Sehvermögen stark beeinträchtigt ist.“

Carsten Hertwig ist glücklich und erleichtert, dass die beiden Tiere nach jahrelangen Qualen nun endlich in Sicherheit sind. „Es freut uns, dass wir Julia und Zoya retten konnten, ihr Leben in der Kampfbärenstation wäre sehr schnell grausam zu Ende gegangen. Hier in Nadiya lebt bereits eine Bärin, die jahrelang als Köder für die Ausbildung von Jagdhunden missbraucht wurde. 2013 konnten wir die Kampfbärin Masha in einer spektakulären Aktion befreien und ebenfalls in die Station in Zhytomyr überführen.“

Als erstes müssen Julia und Zoya medizinisch versorgt werden, zudem benötigen sie eine intensive Betreuung. Die jahrelange Gefangenschaft in engsten Käfigen hat tiefe Spuren hinterlassen, die eine langwierige Behandlung erforderlich machen. Behutsame Pflege, gutes Futter und viel Bewegung werden dazu beitragen, dass die beiden künftig ein artgemäßes Leben führen können.

Medizinische Versorgung und Beschäftigungsprogramme

Das erfahrene Team überwacht das Verhalten der Bären vor Ort genau und wird alle notwendigen medizinischen Checks gründlich durchführen. Sobald das Eingewöhnungsareal fertiggestellt ist, beginnt dann das professionelle Bärenmanagement. Carsten Hertwig: „Die Tierpfleger können die Bärinnen in einem eigenen Bereich unterbringen, und in dieser Zeit das Freigehege säubern und Beschäftigungsprogramme für die Bären vorbereiten. Erst wenn wir wissen, wie es um Zoyas Sehvermögen genau bestellt ist, entscheiden wir, ob die Bärinnen später zusammenleben werden, oder Zoya ein Areal für sich alleine benötigt. Wir werden alles tun, damit es den geschundenen Kreaturen wieder gut geht, und die beiden hier wieder ein glückliches Bärenleben führen können.“

 

bianca.heyden@brandzeilen.de

 

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Info


VIER PFOTEN Stiftung für Tierschutz

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation setzt sich mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein.

Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde- und -katzen, Labor-, Nutz-, Wild- und Heimtiere sowie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung.

Mit Niederlassungen in Deutschland, Belgien, Bulgarien, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Rumänien, Schweiz, Südafrika, Ungarn und den USA sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.


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Kontakt:

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Internet: www.vier-pfoten.de

Email: office@vier-pfoten.de

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