Das Grauen kam in der Silvesternacht

Von Edgar Schneider

Kategorien: Ungeklärte Kriminalfälle


Datum: 01.07.2015

Der Fund, den Spaziergänger am Morgen des 2.1.2010 am Ufer der Ihme in Hannover machten, ließ sie schaudern. In einer Plastiktüte lagen die gefrorenen Leichenteile einer Frau, ihr Kopf und die Arme fehlten. Das Mordopfer war Monika Pawlak(24), die seit einem Straßenbahnunfall behindert war und gelegentlich auf den Strich ging, um sich Geld für Drogen zu beschaffen. Sie hatte den Silvesterabend in der Wohnung ihrer Mutter verbracht und muss auf dem Weg in die Stadt ihrem Mörder begegnet sein. BrandZeilen.de bittet um Mithilfe bei der Suche nach dem Silvestermörder.

Als die BrandZeilen-Reporter Aleksandra Döring in ihrer Wohnung im Hannoveraner Stadtteil Linden besuchten, stand sie völlig neben sich. Der grausame Tod ihrer Tochter hatte die 47-Jährige vollkommen aus der Bahn geworfen. Ihre Hände zitterten, die Augen waren leergeweint. „Ich komme damit nicht klar, ich komme einfach nicht damit klar“, schluchzte sie immer wieder, während sie das Bild ihres einzigen Kindes küsste. Gerade so, als ob sie es damit zum Leben erwecken könnte.

Denn mehr als ein paar Fotos und die Erinnerung an vierundzwanzig, nicht immer glückliche Jahre waren ihr nicht geblieben. Ein Killer hatte ihr das Liebste auf der Welt genommen. Ermordet, zersägt und weggeworfen wie Müll – ihre Tochter Monika war Opfer eines bestialischen Verbrechens geworden.

Aleksandra Döring hatte ihr Kind nicht einmal vollständig beerdigen können. Es lag ohne Kopf und ohne Arme in seinem Grab. Der Gedanke an die Umstände des gewaltsamen Todes ihrer Tochter war für die Mutter ein einziger Horror, den sie Nacht für Nacht in den schlimmsten Albträumen immer vor Augen hatte. Ohne jede Hoffung, je wieder ein normales Leben führen zu können, verlor sie schließlich jegliche Lebensfreude und jeden Lebensmut. Aleksandra Döring starb kurz darauf an ihren Seelenqualen und an einem gebrochenen Herzen.

Als 13-Jährige hatte Monika einen schweren Unfall

Schon einmal hatte Aleksandra Döring ihr Kind fast verloren. Mit dreizehn Jahren wurde Monika von einer Straßenbahn erfasst. Sie erlitt schwerste Verletzungen und lag drei Monate lang im Koma. Aber das tapfere Mädchen kämpfte sich mit aller Kraft ins Leben zurück - irreparable körperliche und geistige Schäden blieben.

Der Unfall und seine Folgen müssen ein Grund dafür gewesen sein, dass Monika Pawlak schon sehr früh zu Drogen griff und schnell abhängig wurde. Da sie mit dem wenigen Geld, das sie in einer Behindertenwerkstatt verdiente, irgendwann ihre Sucht nicht mehr finanzieren konnte, bot sie auf dem Straßenstrich gelegentlich sexuelle Dienste gegen Geld an.

Immer sehr eng blieb das Verhältnis zu ihrer Mutter, in deren Wohnung sie auch den Silvesterabend 2009 verbrachte. Es waren Aleksandra Dörings letzte glücklichen Stunden mit ihrer geliebten Tochter.

Gutgelaunt feierte sie noch ins Neue Jahr

„Wir haben noch auf ein gesundes Neues Jahr angestoßen, kurz nach halb eins hat sie sich dann mit einem Kuss von mir verabschiedet. Sie wollte noch auf eine Party in die Stadt“, erzählte uns die Mutter, die danach nie wieder etwas von ihrer Tochter hörte.

Zwei Tage später, am Morgen des 2.1. 2010 machten Spaziergänger am Ufer der Ihme unterhalb der Legionsbrücke dann eine schreckliche Entdeckung. In blauen Müllsäcken verpackt, steckten ein Torso und zwei abgetrennte Beine. Bei den gefrorenen Leichenteilen am Fluss handelte es sich zweifelsfrei um die sterblichen Überreste der vermissten Monika Pawlak. Ihr Kopf und die Arme blieben trotz intensiver Suchmaßnahmen verschwunden. Ob der Mörder diese Teile als Trophäe zurückbehielt oder sie einfach nur woanders entsorgte, konnte nie geklärt werden.

Die Obduktion ergab, dass Monika Pawlak mit mehreren Messerstichen ermordet wurde. Danach hat der Killer den Kopf, die Arme und Beine abgesägt, die Leiche ausbluten lassen, die zerstückelte Leichenteile in einer Tiefkühltruhe oder im Freien zwischengelagert, um sie dann, in Mülltüten verpackt, im Schutz der Dunkelheit wegzuschaffen und in der Ihme zu entsorgen.

Es war die Tat eines eiskalten Killers

Die Ermittler bezweifelten, dass das Verbrechen auf das Konto eines durchgeknallten Junkies geht. Aufgrund seiner Vorgehensweise sprach vieles für die Tat eines eiskalten, überlegt handelnden Killers. Obwohl Monika Pawlak unmittelbar vor ihrem gewaltsamen Tod - auch das ergab die Obduktion zweifelsfrei - Kokain konsumiert hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach zusammen mit ihrem Mörder, dem Monika schon kurz nach dem Verlassen der Wohnung ihrer Mutter in die Hände fiel.

Da auf einem der Müllsäcke fremde DNA-Spuren gesichert wurden, mussten sich 1149 Männer aus Hannover-Linden einem Speicheltest unterziehen. Doch die Hoffnung, dass der Sägemörder aus der Nachbarschaft der Mutter stammt - dort hatte Monika Silvester gefeiert - erfüllte sich nicht. Der erhoffte DNA-Treffer blieb aus.

Erst eine weitere Rekonstruktion und eine nochmalige, akribische Untersuchung der am Fundort der Leichenteile gesicherten Bodenproben brachte die Ermittler dann auf eine neue, erfolgversprechende Spur. Demnach dürfte der Killer die Leichenteile mit einem Fahrradanhänger, einem Bollerwagen, einem Räumfahrzeug oder einem Schlitten zum Ihmeufer unterhalb der Legionsbrücke transportiert haben.

Der Sägemörder transportiere die Leichenteile seelenruhig zum Fluss

Dort fand man Sandspuren, die mit Bodenproben vom Gelände des nahe gelegenen Ihme – Zentrums übereinstimmten. Ein Büro- und Einkaufszentrum mit einem riesigen Wohnkomplex mit mehr achthundert Wohnungen. Insgesamt 570 Männer zwischen 18 und 65 waren zur Tatzeit dort gemeldet, auch sie mussten geschlossen zum Speicheltest. Doch auch dieses Spur verlief im Sande. Monikas Mörder gehörte nicht zu den dort gemeldeten Bewohnern.

So ist der Sägemörder vom Ihme-Ufer bis heute immer noch auf freiem Fuß. Bis zu ihrem Tod hat Aleksandra Döhring gehofft, dass der Killer den Ermittlern ins Netz geht. Auf ihrem Sterbebett hat sie ein letztes Mal gebetet, dass der Mörder ihrer Tochter gefasst und für das, was er mit ihr gemacht hat, zur Rechenschaft gezogen wird.

edgar.schneider@brandzeilen.de

 

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Täter gesucht


Mord an Monika Pawlak (†24)

Die Mordkommission (MK Rose) in Hannover möchte wissen:

Wer hat Monika Pawlak in der Silvesternacht 2009/2010 im Zeitraum nach dem Verlassen der Wohnung in der Selmastraße gegen 1.30 Uhr und 9.30 Uhr am Neujahrstag noch gesehen? War sie in Begleitung? Wer waren die Leute, mit denen sie in der Silvesternacht verabredet war?

Wer hat in der Nacht vom 1.1. auf den 2.1.2010 am Ihmeufer im Bereich der Legionsbrücke verdächtige Beobachtungen gemacht? Wer hat zur fraglichen Zeit  eine Person mit blauen Müllsäcken gesehen?

Wer kann Angaben zum Verbleib der Kleidungsstücke des Mordopfers machen? Insbesondere zum Verbleib des abgebildeten dunkelgrauen Kapuzenpullovers, der hellbraunen Daunenjacke und der abgebildeten schwarzen Winterstiefel der Firma Deichmann, Größe 42, mit umgekrempeltem Schaft.

Ebenfalls verschwunden sind bis heute das abgebildete Handy des Opfers, seine Schlüssel sowie Ausweispapiere auf den Namen Monika Pawlak.


Für Hinweise, die zur Klärung des Verbrechens führen, ist eine Belohnung von 3.000 Euro ausgesetzt.


Hinweise an die Kripo in Hannover, Telefon 0511 109 5555

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