„Plötzlich spürte ich die Klinge in meinem Bauch“

Von Edgar Schneider

Kategorien: Ungeklärte Kriminalfälle


Datum: 13.07.2015

Mit einem Phantombild fahndet die 7. Berliner Mordkommission nach einem äußerst aggressiven und gefährlichen Mann mit auffälligen Tätowierungen am Arm und an der Hand. Nach einem Kneipenbesuch provozierte und beleidigte er eine Gruppe junger Leute, ehe er völlig grundlos ein Messer zückte und es auf offener Straße einem jungen Mann in den Bauch rammte. Axel H. brach blutüberströmt zusammen, nur eine Notoperation rettete ihm das Leben. BrandZeilen.de bittet um Mithilfe bei der Fahndung.

Der Schock sitzt immer noch tief. Eine fünfzehn Zentimeter lange Narbe auf seinem Bauch erinnert ihn Tag für Tag an die bisher schlimmsten Minuten seines Lebens. „Dieser Irre hat mir ein Messer in den Bauch gerammt, und um ein Haar wäre ich daran gestorben“, sagt Axel Helbig (Name zum Schutz geändert) nachdenklich.

Seit Kindesbeinen lebt der 28-Jährige im Stadtteil Friedrichshain, aber jetzt fühlt er sich selbst am helllichten Tag in seinem Kiez nicht mehr sicher. Denn Axel Helbig fiel ganz in der Nähe seiner Wohnung auf offener Straße einem gefährlichen Messerstecher zum Opfer. Aus Angst, der durchgeknallte Messermann könnte ihn wieder erkennen und ihm erneut auflauern, möchte der Berliner sein Gesicht nicht zeigen.

Das Verbrechen, das blankes Entsetzen unter den Anwohnern der Rigaer Straße auslöste, ereignete sich am 7. Juni 2010. „Ich hatte mit ein paar Freunden und einer Mitbewohnerin einen netten Abend in einem Lokal bei uns um die Ecke verbracht“, erzählt der Erzieher, der in seinem Job Behinderte und psychisch Kranke betreut. „Auf dem Nachhauseweg wurden wir dann von einem Typen angepöbelt, der mit seinem Begleiter auf dem Fenstersims eines Ladengeschäftes saß.“

Ohne sofortige Not-OP nicht überlebt

Obwohl der Mann mit dem Muskelshirt und dem weiß gemusterten Kopftuch mit obszönen Kraftausdrücken nur so um sich warf, ließen sich Axel Helbig und seine Gruppe nicht provozieren. Erst als der Mann eine Bierflasche ihnen hinterherwarf, drehten sie sich um und fragten, was los sei. Darauf schien der Mann im Muskelshirt nur gewartet zu haben. Er stand sofort auf und ging, ohne ein Wort zu sagen, direkt auf Axel Helbig zu. Er zückte ein Messer und rammte es ihm mit voller Wucht in den Bauch.

„Alles ging blitzschnell, ich habe nur so etwas wie eine Silhouette von einem Mann gesehen, im nächsten Moment spürte ich dann schon dieses fürchterliche Stechen im Bauch“, erinnert sich der Erzieher. „Erst als der Typ ein Messer aus meinem Körper herauszog und wegrannte, wurde mir bewusst, was passiert war.“

Im nächsten Augenblick brach Axel Helbig blutend auf dem Bürgersteig zusammen. Seine Freunde hatten den Ernst der Lage schon erkannt und sofort über ein Handy 112, den Notruf der Berliner Feuerwehr, gewählt. Nur drei Minuten später waren Polizei und ein Notarzt im Rettungswagen am Tatort, der schwer Verletzte wurde ins nahe gelegene Krankenhaus Friedrichshain gefahren. Nur eine sofortige Notoperation rettete sein Leben.

Sein Ziel: provozieren und irgend jemanden umbringen

Obwohl die Polizei sofort eine Großfahndung nach dem flüchtigen Täter einleitete, blieb der wie vom Erdboden verschluckt. Ermittlungen der Kripo ergaben, dass sich der Messerstecher im selben Lokal wie sein späteres Opfer aufgehalten hatte, ohne dass es jedoch zu einem Zusammentreffen oder gar zu einem Streit gekommen wäre. Niemand in den Lokalen der Rigaer Straße kannte seinen Namen, aber er war aufgrund seines Outfits und seiner Tätowierungen allen Gästen aufgefallen.

„Wir haben es mit einem höchst gefährlichen und unberechenbaren Täter zu tun, der ohne erkennbaren Grund Passanten anpöbelte, um dann unvermittelt auf einen Menschen einzustechen“. erklärt eine Ermittlerin der 7. Berliner Mordkommission gegenüber BrandZeilen.de „Aufgrund des gesamten Tatgeschehens müssen wir dem Täter einen Tötungsvorsatz unterstellen.“

Ein Motiv für den versuchten Mord war nicht zu erkennen. Da sich Täter und Opfer zuvor nie begegnet waren, muss Axel Helbig zufällig Opfer geworden sein. Hinweise auf einen gezielten Racheakt gab es nicht. So spricht vieles dafür, dass der aggressive Messermann an jenem Morgen mit der Absicht unterwegs war, zu provozieren und mit seinem Messer jemanden abzustechen und umzubringen.

Der Messerstecher hat auffällige Tätowierungen

Die Hoffnung, aufgrund der auffälligen Tätowierungen schnell hinter die Identität des Messermannes zu kommen, erfüllte sich nicht. Nachfragen in der Berliner JVA und bei sämtlichen Polizeidienststellen der Stadt brachten keinen Hinweis auf die Identität des Täters. Auch Befragungen in den umliegenden Häusern und den Lokalen rund um die Rigaer Straße und der Frankfurter Allee brachten die Ermittler nicht weiter. Niemand schien den Mann mit der sonnengegerbten Haut und den Tätowierungen zu kennen.

Da es auch nach Veröffentlichungen in der Berliner Tagespresse keinerlei Hinweise auf den Mann mit den auffälligen Tätowierungen gab, spricht vieles dafür, dass der Messerstecher nicht in Berlin lebt und möglicherweise an diesem Juniwochenende nur zu Besuch in der Stadt war.

Daher hoffen die Beamten der Mordkommission auf den vielleicht entscheiden Hinweis der BrandZeilen-Leser. „Wir müssen ihn finden, denn bei solch extrem aggressiven Tätern besteht immer die Gefahr, dass sie erneut ohne erkennbaren Grund von ihrer Waffe Gebrauch machen“, sagt die zuständige LKA-Ermittlerin.

Das hofft auch Axel Halbig. „Für mich ist völlig unerklärlich, dass jemand so unterwegs ist“, sagt das Opfer. Erst wenn der Messermann aus dem Verkehr gezogen ist, wird er sich wieder sicher fühlen.

edgar.schneider@brandzeilen.de

 

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Täter gesucht


Unbekannter Messerstecher

Die 7. Berliner Mordkommssion möchte wissen:

Wer kennt die auf dem Phantombild abgebildete Person oder kann Hinweise zu einem Mann mit den beschriebenen Tätowierungen geben?

Der Unbekannte hat Tätowierungen an beiden Armen und am Hals. Zwei Tattoos sind besonders markant: „Hammer und Sichel“ an der Innenseite des linken Oberarms, „FUCK“ am Handrücken der rechten Hand.

Der Täter ist heute zwischen 30 und 40 Jahre alt, etwa 180 cm groß und hat eine schlanke, sportliche Figur. Er hat dunkle Haare, einen dunkler Teint und sonnengegerbte Haut. Er hat eine ältere, etwa 3 cm lange Narbe auf der rechten Wange.

Bekleidet war der Mann zur Tatzeit mit einer schwarzen Hose, einem schwarzen ärmellosen Shirt sowie einem schwarz-weiß gemusterten Kopftuch, das bis auf die Stirn gebunden war.

Wer hat am Morgen des 7. Juni 2010 gegen 4 Uhr 15 in der Nähe der Rigaer Straße die verdächtige Person oder deren Begleitung gesehen?

Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben?


Zeugen, die Angaben zur Identifikation der verdächtigen Person oder zur Aufklärung des Sachverhaltes machen können, werden gebeten, sich bei der 7. Mordkommission des Landeskriminalamtes in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Rufnummer (030) 4664 – 911 706 oder bei einer anderen Polizeidienststelle zu melden.


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