„Seit acht Jahren warte ich auf ein Lebenszeichen meines vermissten Kindes“

Von Edgar Schneider

Kategorien: Vermisst


Datum: 08.05.2015

Wird Georgine seit ihrem mysteriösen Verschwinden 2006  irgendwo gefangen gehalten und gequält, oder ist das vermisste Mädchen längst tot? Seit acht Jahren zermartert sich ihre Mutter den Kopf - und geht seitdem jeden Tag durch die Hölle. Auf BrandZeilen.de erzählt sie, wie sehr sie unter der quälenden Ungewissheit leidet, und wie das Verschwinden ihres Kindes ihr Leben auf den Kopf gestellt hat.

„Das Schlimmste ist die quälende Ungewissheit“, sagt Vesna Krüger leise. „Nicht zu wissen, was passiert ist, und wie es meinem Kind geht. Ob Georgine irgendwo gefangengehalten, gequält und sexuell missbraucht wird.“ Nicht erst seit ihrem Treffen mit der Mutter von Natascha Kampusch, die acht Jahre in der Gewalt ihres Entführers war, durchlebt die 51-jährige Berlinerin seelische Höllenqualen. Denn auch ihre 14-jährige Tochter verschwand spurlos am helllichten Tag auf dem Nachhauseweg von der Schule.

Ständige Angst, Albträume, Hoffen und Bangen bestimmen seitdem ihr Leben und lassen sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Oft denkt sie an das Schicksal der anderen verschwundenen, verschleppten, geschändeten oder ermordeten Mädchen. An Natascha Kampusch, Jessica Kopsch oder Sandra Sandra Wißmann aus Berlin oder an Stephanie aus Dresden, die 36 Tage in der Gewalt eines Mannes war, der sie in seiner Wohnung misshandelte und mehr als einhundert Mal brutal vergewaltigte.

„Ich hoffe, dass dies meiner Gina erspart geblieben ist“, sagt die Mutter, die seit mehr als acht Jahren kein Lebenszeichen mehr von ihrer Tochter hat. Georgine Krüger verschwand am 25.9.2006 spurlos.

Erst ein halbes Jahr zuvor waren die Krügers von Peine zurück nach Berlin gezogen. In die Stadt, in der Georgine geboren wurde, in der sie die schönsten Jahre ihrer Kindheit verbracht hatte, und in der sie sich sofort wieder heimisch fühlte.

Georgine, die die achte Klasse der Wartburg-Schule in der Zwinglistraße besuchte, hatte hier schnell neue Freundinnen gefunden. Und auch ihr größter Traum sollte in Erfüllung gehen: Das hübsche Mädchen hatte sich erfolgreich bei einer Casting-Agentur vorgestellt und ein Rollenangebot für die ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ erhalten.

„Das war unmittelbar vor ihrem Verschwinden“, erinnert sich ihre Mutter. „Nachdem ich ihr am Wochenende die Erlaubnis gegeben hatte, wollte sie an jenem Montag nach der Schule in der Agentur anrufen und zusagen. Sie konnte es kaum erwarten.“

Um so besorgter war die Familie, als Georgine an diesem 25.9.2006 nicht von der Schule nach Hause kam. „Als sie auf ihrem Handy nicht zu erreichen war, haben wir als erstes Ginas Freundinnen und dann all unsere Bekannten und Verwandte angerufen und noch am gleichen Abend eine Vermisstenanzeige aufgegeben“, so die Mutter, die bis heute keine Erklärung für das spurlose Verschwinden ihrer Tochter hat. „Sie war sehr zuverlässig und rief immer an, wenn sie sich mal verspätet hatte.“

Daher nahm die Polizei die Sache sofort sehr Ernst. Nach einer ersten Einschätzung durch die Beamten der Vermisstenstelle übernahm die 6. Berliner Mordkommission die Ermittlungen. Es waren insbesondere zwei Umstände, die das Schlimmste befürchten ließen: Zum einen hatte sich Georgine nicht bei der Casting-Agentur gemeldet, zum anderen wurde das Handy des Mädchens nur wenige Minuten nach ihrem spurlosen Verschwinden ab- und danach nie wieder eingeschaltet.

„Unsere Ermittlungen ergaben, dass Georgine um 13.50 Uhr den Bus der Linie M27 an der Haltestelle Stendaler Straße verlassen hat, und dass ihr Handy um 14.06 Uhr abgeschaltet wurde“, erklärt Kriminalhauptkommissar Bernd Jass , Leier der 6. Berliner Mordkommission, gegenüber BrandZeilen.de

Der Fußweg von der Haltestelle bis zur Wohnung der Krügers beträgt nur ein bis zwei Minuten, es sind nur knapp zweihundert Meter. Die Ecke ist sehr belebt, es gibt dort viele Geschäfte. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Unbekannter am helllichten Tag hier unbemerkt ein Mädchen überfallen und verschleppen kann. Dennoch konnte die Kripo auch dies nicht ausschließen.

Bis zu 60 Beamte durchsuchten daher in den Tagen nach dem Verschwinden des Mädchens nahezu 300 Gebäude, Keller, Dachböden und Hinterhöfe in der Umgebung. Sogar die Mülltonnen rund um den Nachhauseweg nahmen sie unter die Lupe. Ein großes Industriegelände am Nordhafen wurde durchsucht, ebenso der nahe gelegene Fritz-Schlosspark. Auch Spürhunde kamen zum Einsatz, doch Georgine blieb spurlos verschwunden. Gerade so, als ob sich ein Erdloch unter ihr aufgetan hätte.

Tagelang befragten Beamte der Mordkommission Anwohner, Passanten und Geschäftsleute. Doch niemand hatte an jenem Montag das Mädchen mit der pinkfarbenen Umhängetasche auf dem kurzen Weg von der Bushaltestelle zu ihrer Wohnung gesehen. Georgines Lehrer wurden befragt, sämtliche Mitschüler und auch der Busfahrer der Linie M27, mit der Georgine täglich von der Schule bis zur Haltestelle Stendaler Straße in der Perleberger Straße gefahren war. Lautsprecherwagen fuhren durch die Straßen, Georgines Familie klebte Suchplakate. Doch es gab keinen einzigen Hinweis auf den Verbleib des Mädchens. Ein Martyrium für die ganze Familie.

Auch die Überprüfung von Georgines Handy- und Internetdaten – sie hatte sich öfter in Chatrooms aufgehalten - verlief  ergebnislos. Dass Gina von Zuhause weggelaufen sein könnte, hat ihre Familie von Anfang an ausgeschlossen. „Wir hatten ein harmonisches Familienleben, und sie war voller Vorfreude auf die Dreharbeiten für die Fernsehserie“, sagt die Mutter. „Aber Gina war auch sehr gutgläubig und leicht beeinflussbar. Sie wäre bedenkenlos zu einem Fremden ins Auto gestiegen. Vielleicht hat sie aber auch jemand entführt, den sie kannte und dem sie vertraute.“

Die Hoffnung, dass ihre Tochter irgendwann wohlbehalten zurückkommt, und sie ihr Kind wieder in die Arme schließen kann, wird die verzweifelte Mutter nie aufgeben. An das schlimmste will sie dabei nicht denken. Auch wenn sie das Schicksal der anderen entführten oder ermordeten Mädchen immer vor Augen hat.

Längst ist Vesna Krüger aus Berlin-Moabit weggezogen. „Ich konnte es einfach nicht mehr ertragen, auf dem Balkon zu sitzen, von dem aus ich meine Gina immer fröhlich winkend von der Schule nach Hause kommen sah“, sagt sie. Um für ihr Kind erreichbar zu bleiben, hat Vesna Krüger Ihre alte Telefonnummer mitgenommen, ihr Handy hat sie Tag und Nacht dabei. „Seit dem Tag ihres Verschwindens im September 2006 warte ich jeden Tag auf ihren Anruf und auf ein Lebenszeichen von ihr. Meine Gina muss leben.“

edgar.schneider@t-online.de

 

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Täter gesucht


Georgine Krüger aus Berlin seit 2006 vermisst

Die 6. Berliner Mordkommission möchte wissen:


Wer hat das Mädchen nach dem 25.9. 2006 gesehen oder kann Angaben zu seinem jetzigen Aufenthaltsort machen?  Georgine ist 165 Zentimeter groß und sehr schlank. Sie hatte zum Zeitpunkt ihres Verschwindens  lange glatte braune Haare und trug blaue Jeans, braune Stiefel, eine weiße Jacke mit Kapuze und eine pinkfarbene Umhängetasche der Firma „Eastpak“.


Für Hinweise, die zur Klärung des Schicksals von Georgine Krüger führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.


Kontakt:

Hinweise an die 6. Berliner Mordkommission unter 030 4664 911 601 oder jede andere Polizeidienstelle

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