Eine Mutter klagt an: „Ärzte haben unser Kind auf dem Gewissen“

Von Brigitte Sommer

Kategorien: Ärztepfusch, Schicksale


Datum: 17.05.2015

Warum musste Max sterben? Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen jetzt klären: War es Schicksal, führte Ärzteschlamperei, weil kein Antibiotikum gegeben wurde, zum Tod des 3-jährigen Jungen, oder war es doch nur eine Verkettung unglücklicher Umstände? BrandZeilen.de berichtet über eine Tragödie, die mit dem Tod eines unschuldigen Kindes endet.

Für Tanja G. (37) aus dem hessischen Bad Orb wurde der Albtraum einer jeden Mutter bittere Realität: Sie wacht morgens auf, und ihr Kind liegt leblos neben ihr. Doch starb der kleine wirklich ohne jede Vorwarnung? Urplötzlich und völlig unerwartet? Nein! Es gibt eine Vorgeschichte.

Es ist viertel nach acht Uhr morgens, Hochnebel liegt über der Stadt, der Himmel wirft ein diffuses Licht ins Schlafzimmer des idyllisch gelegenen Hauses der Familie G. Der Tag soll schön werden, Tanja will daher gleich nach dem Frühstück mit ihren Kindern Lea (4) und Maximilian (3) nach draußen. Der Garten der Familie ist  ein Paradies für Kinder, vor der Haustüre laden eine große Schaukel und eine Rutsche zum Spielen ein.

Tanja hofft, dass die frische Luft ihrem Sohn Max gut tun wird, auch wenn er zu schwach zum Toben ist. Seit Wochen ist das Kind krank, Max leidet unter Atemproblemen. Deshalb hatte Tanja ihren Sohn auch über Nacht zu sich ins Bett geholt - obwohl sie selbst eine fiebrige Erkältung hat.

Als Tanja aufwacht, ist ihr Mann Christian (39) schon zur Arbeit gefahren. „Ich spürte gleich, dass irgend etwas nichtstimmte“, erinnert sie sich. „Üblicherweise schnarchte Max immer ziemlich laut, doch jetzt war es leise. Zu leise.“ Als Tanja sich über ihr Kind beugt, merkt sie, dass Max nicht atmet. „Danach spielte sich alles ab wie in einem Film, der mit falscher Geschwindigkeit läuft und immer wieder vor- und zurückspult.“

Es kommt ihr vor, als ob sich der Boden unter ihren Füßen auftut. Tanja steht wie benommen neben sich, sie kann sich nur noch daran erinnern, dass sie immer wieder nach ihrem ältesten Sohn Bobby (19) rief. „Ich habe nur noch nach Hilfe geschrien und dabei gleichzeitig versucht, meinen Max zu beatmen. Ich war wie von Sinnen. Nein, nein, schoss es mir immer wieder durch den Kopf. Es ist nicht wahr, es darf nicht wahr sein!  Es ist bestimmt nur ein schlechter Traum.“

Statt über 112 einen Krankenwagen und einen Notarzt zu alarmieren, wählte Tanja G. den Notruf der Polizei. Trotzdem ist nur wenige Minuten später der erste Rettungswagen vor Ort. Die Mutter des Jungen steht unter Schock, sie nimmt nur noch Wortfetzen der Retter wahr. Aber die Worte des Notarztes - „da ist nichts mehr zu machen“ - hat sie bis heute im Ohr. Sie wird diese Worte nicht mehr los.

„Ich habe einfach nicht realisiert, dass Max tot, schließlich hatten die Ersthelfer doch noch einen Rettungshubschrauber angefordert“, so die Mutter. Tatsächlich bringt der Krankenwagen den kleinen Jungen noch zu einem Hubschrauberlandeplatz. Der Hubschrauber startet sofort in Richtung Universitätsklinikum Frankfurt. Ihm folgen die Eltern des Jungen in ihrem Auto, mit dem sie über die Autobahn in Richtung Westen rasen. „Ich hatte ihn auf der Arbeit angerufen und nur noch ins Telefon geschrien. Er muss verstanden haben, dass er sofort nach Hause kommen muss. Als ich den Hubschrauber über uns sah, fühlte ich mich komplett hilflos, weil wir nichts mehr für unser Kind tun konnten. Nichts lag mehr in unserer Hand.“

Rückblende. Neun Tage zuvor hat Tanja einen Termin bei einem Hanauer Facharzt, weil Max nachts laut schnarcht und tagsüber geräuschvoll atmet. Da der besorgten Mutter aufgefallen ist, dass Max´ Brustkorb sich beim Atmen merkwürdig  senkt und hebt, hat sie dieses auffällige Atmen mit ihrem Smartphone gefilmt und zeigt dies nun dem Arzt. „Der ließ uns daraufhin sofort mit einem Rettungswagen in die Kindernotfallambulanz einer Hanauer Klinik bringen“, berichtet Tanja G.

Dort geschieht das Unfassbare. „Wir wurden mit unserem kranken Kind einfach weggeschickt. Eine Assistenzärztin meinte zu uns, dass Max kein Notfall sei. Weil wir mit dem Rettungswagen gekommen wären, müssten wir etwas unterschreiben. Mein Mann und ich unterschrieben einen Zettel. Später erfuhren wir, dass wir keine Bestätigung wegen des Rettungswagens unterschrieben hatten, sondern dass wir auf eigene Verantwortung nach Hause gehen wollten.“

In einer Erklärung streitet die Klinikleitung jetzt alle Vorwürfe ab. Tanja G. dazu: „Man bezichtigt mich sogar öffentlich der Lüge!“ Fakt ist, dass Tanja ihr Kind noch weitere zwei Mal in der Notaufnahme vorstellt, nachdem sich der Zustand des 3-Jährigen nicht gebessert hat. „Auch als Max Fieber hatte, bin ich abgewiesen worden“, versichert sie . In ihrer Not wendet sie sich an mehrere Fachärzte „Die rieten uns zu einer Entfernung der Mandeln und der Polypen. Der Eingriff sollte noch in derselben Woche stattfinden.“

Doch dazu kommt es nicht mehr. “Als ich einen Tag vor dem geplanten Eingriff Max stationär in der Kinderklinik aufnehmen lassen wollte, wurden wir von einer Assistenzärztin wieder nach Hause geschickt“, berichtet Tanja. „Wir wurden nicht aufgenommen, weil Max Fieber hatte. Statt ihn zu behandeln, den Beschwerden auf den Grund zu gehen und ein EKG oder ein Blutbild zu machen, gab man uns den Rat, Max ein Nasenspray, wegen der bevorstehenden OP aber keinesfalls ein Antibiotikum zu geben. Alles sei harmlos, es könne nichts passieren, und ich müsse mir keine Sorgen machen. Dies war das Todesurteil für mein Kind.“

Schon in der darauffolgenden Nacht kommt es zur Katastrophe. Der kleine Junge muss geahnt haben, dass es ganz schlimm um ihn steht. „Als ich ihn zu mir ins Bett brachte, hat er mich mit großen Augen angeschaut und gefragt: 'Mami, ich bin doch richtig, richtig krank. Warum hilft mir denn niemand?“, sagt die Mutter mit Tränen in den Augen. „Der Gedanke, dass ich hilflos neben ihm lag und ihm nicht helfen konnte, quält mich noch heute.“

Max hat keine Antwort mehr auf seine Frage bekommen. Nach mehreren schweren Infektionen stirbt der Junge auf der Intensivstation der Universitätsklinik in Frankfurt, nachdem sich Ärzte und die Eltern geeinigt hatten, die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten. „Er ist dann in meinen Armen eingeschlafen, er hatte keine Chance mehr. Eine nicht diagnostizierte Bauchfellentzündung hat letztendlich zu seinem Tod geführt. Aber mein Kind hätte nicht sterben müssen, wenn diese rechtzeitig behandelt worden wäre,“ ist sich Tanja G. sicher.

Daher erhebt sie auch schwere Vorwürfe gegenüber der Klinik, die sie mit ihrem kranken Kind einfach nach Hause geschickt hat. „Wir haben Strafanzeige wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung gestellt, da die todesursächliche Erkrankung nicht erkannt worden ist“, erklärt Maximilians Vater Christian(39).

Die zuständige Staatsanwaltschaft bestätigt, dass Ermittlungen gegen die verantwortlichen Ärzte eingeleitet worden sind. Man habe ein medizinisches Sachverständigengutachten in Auftrag geben. Vom Ergebnis hängen die weiteren Ermittlungen ab.

Sollten die Ärzte Schuld auf sich geladen haben, wollen Maximilians auf jeden Fall als Nebenkläger auftreten. Außerdem wollen sie in einem Zivilverfahren gegen die Klinik vorgehen. „Wir stellen uns die Frage, wieso Max trotz einer ausgeprägten Bronchitis und stark vereiterter Mandeln kein Antibiotikum bekam. Dann hätte diese gravierende Bauchfellentzündung erst gar nicht entstehen können, die dann nicht einmal erkannt wurde“, so Maximilians Mutter. „Wir setzen uns gegen arrogante Ärzte zur Wehr, die für ihre Fehler einfach keine Verantwortung übernehmen wollen. Wir bestehen darauf, dass die Hintergründe vollständig aufgeklärt werden. Das sind wir unserem toten Kind schuldig.“

brigitte.sommer@brandzeilen.de

 

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Info


Bauchfellentzündung - eine lebensbedrohliche Erkrankung

Die Bauchfellentzündung (Peritonitis) gehört zu den gefährlichsten Entzündungen und ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Sie äußerst sich durch hohes Fieber und heftigen Schmerzen, die sich sehr schnell über den ganzen Unterleib ausbreiten.

Fast immer entsteht eine Bauchfellentzündung als Folge einer anderen Erkrankung. Sie wird hauptsächlich durch Bakterien verursacht, die durch andere Erkrankungen, operative Eingriffe oder Verletzungen in die Bauchhöhle gelangen. Eine Blinddarmentzündung oder eine Entzündung des Dünndarms sind oftmals der Ursprung für eine Peritonitis.

Wird die Bauchfellentzündung nicht rechtzeitig behandelt, zeigen sich oftmals Schocksymptome. Niedriger  Blutdruck, Herzrasen und Bewusstseinsstörungen gehören ebenfalls zum Krankheitsbild.

Wichtigstes Ziel der Behandlung einer Bauchfellentzündung ist die Beseitigung des Infektionsherdes. Entzündetes oder abgestorbenes Gewebe muss entfernt werden, zumeist muss auch das ursprünglich geschädigte Organ, z.B. der Blinddarm oder Teile des Dünndarms, entfernt werden

Bereits vor dem operativen Eingriff muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen.

Wird eine Bauchfellentzündung nicht behandelt, besteht für den Patienten Lebensgefahr.

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