Wie ein cleverer Rentner einer gesuchten Enkeltrickbetrügerin das Handwerk legte

Von Robert Schaffelhuber

Kategorien: Happy End


Datum: 11.05.2015

Auf den Enkeltrick fallen trotz Warnungen insbesondere alte Menschen immer wieder hinein. Bei Rentner Robert P. (69) hatten die Betrüger jedoch keinen Erfolg. Als sich eine Frau telefonisch als seine Enkelin ausgab und 6.000 Euro von ihm haben wollte, alarmierte er die Polizei und spielte mutig den Lockvogel. Bei der Geldübergabe klickten die Handschellen. BrandZeilen.de stellt einen cleveren Rentner vor, bei dem Betrüger keine Chance haben.

Die Nachbarn kennen Robert P. als liebenswerten, netten und sehr zuvorkommenden Mann, der immer ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Mitmenschen hat. Doch seit der 69-Jährige einer gerissenen Betrügerin das schmutzige Handwerk legte, spricht man im Siegener Stadtteil Lindenberg nur noch von Robert, dem Detektiv. Denn was kriminalistischen Spürsinn, beherztes Eingriffen und Cleverness betrifft, steht Rentner Robert selbst dem berühmten Detektiv aus der Fernsehserie „ Detektiv Rockford - Anruf genügt“, in nichts nach.

„Eigentlich sollte sich in unserer Gegend längst herum gesprochen haben, dass mit uns nicht gut Kirschen essen ist“, schmunzelt der Rentner mit Blick auf ein Erlebnis vor etwa zwei Jahren. Da hatte seine Frau Lucia zu nächtlicher Stunde im Haus zwei Kellereinbrecher auf frischer Tat erwischt und in die Flucht geschlagen. „Jetzt war ich an der Reihe“, sagt der Ehemann, der den neuerlichen Detektiv-Job allerdings ganz alleine erledigen musste, lag seine Frau doch für eine Woche im Krankenhaus.

Dieses Mal hatte es eine so genannte Enkeltrickbetrügerin auf ihn, besser gesagt, auf sein Erspartes abgesehen. Obwohl die Polizei ständig vor ihnen warnt, fallen immer wieder gutgläubige Menschen auf diese Kriminellen herein - hauptsächlich ältere Menschen. Die Vorgehensweise ist äußerst gerissen. Sie melden sich telefonisch und geben vor, ein naher Angehöriger, zumeist ein Enkel, zu sein. Sie täuschen eine Notlage vor und bitten um die Aushändigung einer größeren Geldsumme.

Nach Erkenntnissen der Landeskriminalämter handelt es sich um straff organisierte Tätergruppen, die sich vor Ort geeignete Opfer auszusuchen, um dann gezielt anzurufen. In einem von der Polizei sichergestellten Laptop hatten die Täter über ein Suchprogramm einer Telefon - CD die Namen und Telefonnummern herausgefiltert, die zu alten Leuten passen. Namen wie Lina, Emma, Wilhelm oder Erich. Und eben auch Robert.

Sein Eintrag im Telefonbuch erklärt dann wohl auch, warum die Betrügerin es bei Robert P. versuchte. „Hallo Opa, ich bin es, kennst du mich nicht mehr?“, vernahm Robert P. etwas undeutlich am anderen Ende der Leitung. „Bist du es, Janine?“, fragte er im Glauben, seine echte Enkeltochter  am Apparat zu haben. „Ja, die bin ich“, kam es zurück, „ich bin in Siegen und möchte etwas kaufen. Du musst mir mit 6000 Euro aushelfen.“

Schon öfter hatte Robert P. von den Machenschaften der Enkeltrickbetrüger gehört und gelesen. So war ihm in diesem Augenblick sofort klar, dass eine solche Betrügerin in der Leitung war. Denn seine Enkelin war gerade einmal vierzehn Jahre alt und würde ihn nie um eine solch hohe Summe fragen. Zudem sprach die Frau ihn immer wieder mit Onkel statt mit Opa an. „Im ersten Augenblick war ich richtig wütend und wollte auflegen, erzählt Robert P. „Aber dann kam mir die Idee, zum Schein auf ihre Forderung einzugehen, und zu versuchen, sie zu überführen.“

Kurzerhand sagte er zu, das Geld zu besorgen.„Ich erzählte ihr, dass ich eine Taxe anrufen und dann das Geld schnellstmöglich bei der Bank abholen würde“, fährt Robert P. fort. Doch statt ein Taxiunternehmen rief er 110 an und berichtete, was passiert war. Die Polizei staunte nicht schlecht, als der Rentner von sich aus anbot, den Lockvogel zu spielen. Minuten später waren mehrere Kripobeamte in Zivil vor Ort. Kaum hatte sich einer von ihnen in seiner Wohnung postiert, klingelte auch schon das Telefon. „Hast du das Geld geholt?“, fragte die falsche Enkelin, und als Robert P. dies bejahte, ließ sie sich die Scheine am Telefon vorblättern. „Das habe ich mit Schreibpapier gemacht und es auch in den Umschlag gesteckt, den ich an einem Bushäuschen in unserer Straße einer Frau Weiß übergeben sollte“, berichtet Detektiv Robert, der bei all dem völlig cool blieb und sich absolut nichts anmerken ließ.

Kaum am nahegelegenen Bushäuschen angekommen, kam auch schon eine junge Frau auf ihn zu. Ganz im Stil eines guten Detektivs fragte Robert P. die Mittzwanzigerin, ob sie Frau Weiß sei und das Geld für seine Enkelin abholen wolle. „Damit sich die Betrügerin später nicht rausreden kann, man habe sie nur geschickt, etwas abzuholen, ansonsten hätte sie selbst aber mit der Sache nichts zu tun“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Kaum hatte sie dies bejaht und Robert P. ihr den Umschlag übergeben, klopften zwei Kriminalbeamte der Frau auf die Schulter und nahmen sie fest. Die Betrügerin war so perplex, dass sie keinen einzigen Ton mehr herausbrachte. Robert P. hatte seinen Part perfekt und mit Freude erledigt, aber er war dennoch erleichtert, als alles vorbei war. „Als mich mein Mann abends im Krankenhaus besuchte, hat er mir erzählt, was passiert war“, sagt seine Frau Lucia (64). „Ich hatte zwar selbst im nachhinein noch etwas Angst um ihn, gleichzeitig war ich aber sehr stolz auf meinen Mann, den Hobbydetektiv.“

  Nach solch einem erfolgreichen Einsatz war es selbstverständlich, dass die Gesetzeshüter am nächsten Tag noch einmal bei Robert P. vorbeischauten. „Sie haben sehr gute Arbeit geleistet und alles richtig gemacht“, lobte ihn Georg Baum, Polizeihauptkommissar bei der Kreispolizeibehörde Siegen - Wittgenstein, der sich bei dem pfiffigen Rentner mit einem Präsentkorb und einem Buch mit Reportagen aus dem Polizeialltag bedankte.

  Weitere Überprüfungen der Polizei ergaben, dass man dank Detektiv Robert einen dicken Fisch hatte überführen können. Bei der 21-Jährigen handelte es sich um eine gesuchte Serienbetrügerin, die schon mehrfach mit dem Enkeltrick in Erscheinung getreten war. Nur einen Tag zuvor hatte sie in Kassel eine 84-jährige Frau um 17.000 (!) Euro gebracht. Die Auswertung ihres Mobiltelefons ergab, dass sie ihre Anweisungen offensichtlich aus dem östlichen Ausland erhielt und Mitglied einer gut organisierten Enkeltrick-Betrügerbande war. Seit ihrer spektakulären Festnahme sitzt sie in Untersuchungshaft und wartet auf ihren Prozess.

Robert P. indes wird auch in Zukunft immer seine Augen und Ohren offen halten und wachsam bleiben. „Es ist schön, wenn man der Polizei helfen kann, solch miese Betrügerinnen aus dem Verkehr zu ziehen“, sagt Detektiv Robert. „Und das werde ich auch in Zukunft tun.“ Und fügt ganz im Stil des berühmten Fernsehdetektivs Rockford hinzu. „Anruf genügt.“

robert.schaffelhuber@brandzeilen.de

 

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Info


PHK Georg Baum gibt Tipps, wie man sich vor Enkeltrickbetrügern schützen kann

Bewahren Sie ein gesundes Misstrauen, seien Sie immer skeptisch, wenn ein angeblicher Verwandter anruft!

Rufen Sie zur Sicherheit unter einer Ihnen bekannten Nummer bei einem Verwandten an oder verständigen Sie die Polizei!

Lassen Sie sich immer die Telefonnummer des Anrufers geben!

Schauen Sie sich Besucher vor dem Öffnen der Tür genau an und lassen Sie sich nicht durch vertrauenswürdiges Aussehen, sicheres Auftreten oder Höflichkeit fremder Personen blenden!

Geben Sie einer fremden Person niemals Geld!

Wenn Sie unsicher sind, bitten Sie Verwandte oder Nachbarn um Hilfe oder rufen Sie unter 110 die Polizei!

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