Mord nach dem Elternstammtisch

Von Edgar Schneider

Kategorien: Ungeklärte Kriminalfälle


Datum: 12.05.2015

Am Morgen des 26.4.2007 stieß Heidemarie M. hinter einem Gebüsch auf eine nackte Frauenleiche. Die Tote war Bianca Burbach (†32), allein erziehende Mutter einer 11-jährigen Tochter aus Siegen. Nach einem Elternstammtisch war  sie in der Nähe einer Fußgängerbrücke einem Sexualmörder in die Hände gefallen. Er vergewaltigte sie hinter einem Gebüsch, anschließend ermordete er sein Opfer. Bis heute wurde der Täter nicht gefasst. Daher bittet die Kripo die Leser von BrandZeilen.de nun um Mithilfe bei der Fahndung.

Regelmäßig geht Heidemarie M. in der kleinen Grünanlage oberhalb der Stadtautobahn spazieren. Sie liegt unmittelbar neben der Fußgängerbrücke, den die Bewohner des Wohngebietes am Wellersberg täglich auf ihrem Weg in die Siegener Innenstadt benutzen. „Die Vorstellung, dass direkt vor meiner Haustüre eine Frau vergewaltigt und ermordet wurde, ist einfach nur schrecklich, man findet keine Worte dafür“, sagt die 66-jährige sichtlich erschüttert. Auch heute hat sie Blumen an dem schlichten Holzkreuz abgelegt, das an den grausamen Tod der jungen Frau aus der Nachbarschaft erinnert.

Etwas weiter oberhalb, auf einem kleinen Hohlweg, der inzwischen mit dichtem Gestrüpp zugewachsen ist, liegt die Stelle, an der Heidemarie M. an jenem Mittag des 26. April 2007 die ermordete Bianca Burbach entdeckt hat. „Hier lag ihre Leiche, neben einem Gebüsch, völlig nackt und zusammengekrümmt auf der Seite liegend“, berichtet die Siegenerin, die den BrandZeilen-Reporter zu der Stelle geführt hat, an der der schreckliche Sexualmord geschah. Es war ein Bild, das sie bis heute nicht aus ihrem Kopf bekommen hat. „Auch wenn es auf den ersten Blick so aussah, als würde da jemand nur schlafen oder sich sonnen.“

Sofort eilte Heidemarie M. nach Hause und meldete ihre schreckliche Entdeckung der Polizei. Als die ersten Beamten ausrückten, bemerkten sie ein kleines Mädchen, das an der Wache eine Vermisstenanzeige aufgeben wollte. „Meine Mama ist gestern abend nicht nach Hause gekommen“, schluchzte die elfjährige Laura(Name zum Schutz geändert) mit verweinten Augen. „Ihr ist bestimmt etwas passiert“.

Die Beamten der Wache redeten noch beruhigend auf das Kind ein, als Lauras Befürchtung bestätigt wurde. Bei der Leiche handelte es sich zweifelsfrei um die ihrer Mutter. „Bianca Burbach wurde Opfer eines Sexualverbrechens, der Tod trat durch Gewalt gegen den Hals ein“, erklärt Kriminalhauptkommissar Norbert Rautenberg von der für den Fall zuständigen Mordkommission in Hagen gegenüber BrandZeilen.de „Nach Auswertung sämtlicher Spuren und dem Ergebnis der Obduktion mussten wir davon ausgehen, dass der Fundort der Leiche auch der Tatort ist.“

Die Bewohner der anliegenden Tiergartenstraße reagierten mit Entsetzen und Sprachlosigkeit auf den brutalen Mord an einer Nachbarin direkt vor ihrer Haustüre. „Fast alle hier kannten Bianca persönlich, sie hat ab und zu in einem Lebensmittelgeschäft gearbeitet“, berichtet Heidemarie M. „Sie war eine sehr nette junge Frau, höflich, zurückhaltend und immer freundlich.

Da Bianca Burbach kein Auto besaß, legte die alleinerziehende Mutter, die kurz vor dem Abschluss ihres Sozialpädagogikstudiums stand, ihre Wege zur Uni oder in die Innenstadt zumeist zu Fuß zurück. Auch am Abend des 25.4.2007 war sie zu Fuß unterwegs. Ein Elternstammstisch im Bistro „LYZ“ in der St. Johannisstraße stand in ihrem Terminkalender. Kurz vor 19.00 Uhr verabschiedete sie sich mit einem Kuss von Laura. Das aufgeweckte Mädchen verließ sich darauf, dass ihre Mutter spätestens um 23.00 Uhr wieder zu Hause sein würde.

Weil sie wie immer pünktlich sein wollte, machte sich Bianca Burbach um 22.45 auf den etwa 15-minütigen Heimweg vom „LYZ“ in die Wellersbergsiedlung. Das Angebot einer anderen Mutter, sie mit dem Auto nach Hause zu fahren, lehnte sie dankend ab. Sie konnte nicht ahnen, dass der Weg über die Fußgängerbrücke hinter dem Hauptbahnhof direkt in den Tod führte…

Obwohl auch zu dieser Zeit noch recht viele Leute im Bereich der Fußgängerbrücke unterwegs waren, hat die Kripo bis heute keinen einzigen Zeugen gefunden, der Bianca Burbach auf ihrem Nachhauseweg alleine oder in Begleitung noch gesehen hätte. Ob ihr Mörder sie auf dem Nachhauseweg verfolgte oder im Gebüsch unterhalb der Brücke auf ein Opfer wartete, um es dort zu vergewaltigen und umzubringen, blieb daher bis heute unklar.

Bianca Burbach hatte keine Chance. Obwohl sie sich verzweifelt wehrte, zerrte sie der Sexgangster in ein Gebüsch, wo er sie brutal vergewaltigte, um sie anschließend zu ermorden und auszurauben. Nach dem Mord packte er die Bekleidung seines Opfers zusammen, entsorgte sie in Tatortnähe und floh vermutlich zu Fuß über die Fußgängerbrücke in Richtung Hauptbahnhof.

Das Portemonnaie seines Opfers, aus dem er sämtliches Bargeld geraubt hatte, warf er von einer nahe gelegenen Eisenbahnbrücke, der so genannten Hufeisenbrücke. Es landete auf einer Lok und wurde Tage später bei einer Inspektion in Aachen gefunden.

Nichts ließ die 30-köpfige Mordkommission unversucht, den Sexmörder von Siegen zu fassen. Das gesamte Umfeld des Mordopfers wurde auf den Kopf gestellt, ohne dass sich auch nur ein einziger Hinweis auf einen möglichen Täter ergeben hätte. Auch ein Abgleich des genetischen Fingerabdrucks, den der Mörder am Tatort hinterlassen hatte, brachte die Ermittler nicht weiter. Offensichtlich hatte man es mit einem so genannten Ersttäter zu tun. Von mehr als 2.800 Männern nahm die Polizei in der Folgezeit eine Speichelprobe, doch der erhoffte Treffer blieb aus.

So ist der Frauenmörder von Siegen auch nach acht Jahren immer noch auf freiem Fuß. Das schreckliche Verbrechen an einer jungen Mutter, das ein 11-jähriges Kind zur Halbwaisen machte, ist somit bis heute ungesühnt.

Ich hoffe, dass wir der Kripo mit guten Hinweisen weiterhelfen können.

edgar.schneider@brandzeilen.de

 

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Täter gesucht


Sexualmord an Bianca Burbach

Die Mordkommission „Tiergarten“ möchte wissen:

Wer hat das Mordopfer in der Nacht zum Donnerstag, dem 26.4.2007  nach 22.45 Uhr auf ihrem Nachhauseweg im Bereich der Siegener Innenstadt alleine oder in Begleitung einer weiteren Person gesehen?" 

Für die Mordkommission ist es wichtig, dass sich alle Personen melden, die in der Tatnacht im Bereich Tiergartenstraße  unterwegs waren - egal, ob Mann oder Frau, egal, ob allein oder zusammen mit einer Gruppe.

Einen Tag zuvor, am Mittwoch, dem 25.04.2007 gegen 22.15 Uhr begegnete eine Frau auf der Fußgängerbrücke „Tiergartenstraße“ einem etwa 25 - 40 Jahre alten unbekannten Mann. Dieser Mann, der längere, dunklere Haare hatte, kam der Frau auf der Fußgängerbrücke plötzlich entgegen, er ging auf die Frau zu und packte die Frau dann unvermittelt an ihrem Oberarm udn hielt sie fest. Genauso unvermittelt ließ der Mann die Frau dann plötzlich wieder los.

Wer hat diesen Vorfall beobachtet ? Wem ist dieser  Mann ebenfalls  aufgefallen? Welcher Frau hat sich der Mann schon einmal auf die beschriebene Art und Weise genähert ?


Wem ist in der Zeit nach dem 25./26.04.2007 ein Mann aufgefallen, der einen Bezug zur Region Südwestfalen hat und sich plötzlich – möglicherweise sogar extrem – seelisch bzw. psychisch verändert hat?  Welcher Mann hat sein Lebensumfeld – möglicherweise sogar ohne einen nach außen erkennbaren Grund –  damals plötzlich verlassen?


Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.


Kontakt:

inweise an die Mordkommission "Tiergarten", Telefon 0271 / 7099-0, Fax 0271 7099-4166

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