„Für mich wurde ein Wunder wahr!“

Von Frank Jürgensen

Kategorien: Happy End, Schicksale


Datum: 20.05.2015

Erst nach dem Tod seines Vaters erfuhr Dieter Hansen, dass der Verstorbene nicht sein leiblicher Vater war. Auch seine Mutter hatte es ihm aus Scham ihr Leben lang verschwiegen. Für den Nordfriesen begann eine mühevolle Suche, ehe er in Brasilien schließlich die Familie seines leiblichen Vaters fand. Dort leben seine drei Halbschwestern und sein Halbbruder. Als die ihn in Deutschland besuchten, schloss er sie mit Tränen in den Augen in die Arme. BrandZeilen.de hat Dieter Hansen in Husum an der Nordsee besucht.

Lächelnd zeigt Dieter Hansen das Foto eines Mannes in die Kamera. Es zeigt seinen leiblichen Vater. Jahrelang hat er nach ihm gesucht - wie nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Und schließlich seine Spur gefunden. „Wunder gibt es immer wieder, und für mich wurde ein Wunder wahr“, sagt der 69-jährige pensionierte Verwaltungsangestellte aus dem nordfriesischen Husum.

Alles begann an jenem für ihn so schicksalhaften Tag, als sein Vater Hermann Hansen verstarb. Die beiden verband ein herzliches Verhältnis.  „Auch wenn ich ihm überhaupt nicht ähnlich sah und mir im Laufe der Jahre schon das eine oder andere Mal leichte Zweifel gekommen waren, ob er überhaupt mein Erzeuger ist“, so Dieter Hansen.

Dass Hermann Hansen tatsächlich nicht der biologische Vater war, er dem Jungen lediglich seinen Namen gegeben hatte, als er dessen Mutter Lieselotte heiratete, erfuhr Dieter Hansen erst, als ihm nach dem Tod des vermeintlichen Vaters zufällig das Familienstammbuch in die Hände fiel. „In diesem Augenblick brach für mich eine Welt zusammen, es war ein absoluter Schock“, gesteht er.

Aus Scham hatte ihm seine Mutter sein Leben lang verschwiegen, dass er ein uneheliches Kind war. „Sie hatte mit dem Thema abgeschlossen und hätte ihr Geheimnis wohl mit ins Grab genommen, hätte ich nicht darauf bestanden, nach dem Tod ihres Mannes endlich die Wahrheit über meine wirkliche Herkunft zu erfahren“, erzählt Dieter Hansen, der es seiner Mutter bis heute übel nimmt, dieses Geheimnis so lange gehütet zu haben und alle, die davon wussten, verpflichtet hatte, ihrem Sohn gegenüber nie ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren.

Erst nach hartnäckigem Drängen gab die Mutter schließlich ihr großes Geheimnis preis. Sie verriet ihrem Sohn, dass sein richtiger Vater Pal von Angyalossy hieß, ein Österreicher mit ungarischen Wurzeln, der 1945 in Husum stationiert war. Dieters Mutter verliebte sich in den Charmeur, als der im Hause ihrer Eltern einquartiert wurde.

Der fesche Offizier erwiderte ihre Liebe, verschwieg aber, dass er in Österreich schon verheiratet war und seine Frau Jenny ein Kind erwartete. Was Lieselotte irgendwie geahnt oder gespürt haben muss, denn als ihr Offizier nach Kriegsende auf Nimmerwiedersehen aus  Husum verschwand, erzählte sie ihm nicht, dass sie mit Dieter von ihm schwanger war.

Für Dieter Hansen begann eine mühevolle, über zehnjährige Suche nach seinem leiblichen Vater, von dem er damals nur den Klang seines Namens kannte. Tatkräftig wurde er unterstützt von seiner Frau Silke, seine Mutter indes weigerte sich hartnäckig, ihm bei der Suche zu helfen. Er engagierte verschiedene Suchdienste, er  recherchierte im Internet  und ging jedem, noch so vagen Hinweis nach, doch sie landeten alle in der berühmten Sackgasse.

„Ich hatte nach Jahren der Suche die Hoffnung fast schon aufgegeben, als ich Post vom ungarischen Militärarchiv in Budapest bekam“, erzählt Dieter Hansen. „Die Angaben waren zwar nicht sehr präzise, aber sie passten exakt auf das, was ich bis dahin von meinem Vater wusste. Und in diesem Augenblick hatte ich zum ersten Mal seinen korrekten Namen. Pal von Angyalossy.“

Den  entscheidenden Hinweis lieferte ihm schließlich ein entfernter Verwandter aus der rumänischen Linie der Angyalossys, den es ins Rheinland verschlagen hatte. Dieter Hansen erfuhr, dass sein Vater Pal 1948 mit seiner Familie von Österreich nach Brasilien ausgewandert war. Dort leben bis heute auch Dieter Hansens Halbschwestern Johanna (70), Monica(65), Veronica(62) und sein Halbbruder Thomas(58)

Sofort nahm er Kontakt zu seiner Familie auf. Als er kurz darauf eine Email aus Sao Paulo in Brasilien erhielt, war das Glück perfekt. „Johanna stellte mir darin die Familiengeschichte meines Vaters vor“, sagt der Husumer.

Demnach war sein Vater, der zuletzt im Management von VW in Brasilien gearbeitet hatte,  zwei Jahre zuvor  verstorben, ohne je erfahren zu haben, dass er noch einen Sohn in Deutschland hat. Als seine Geschwister ihn dann in Deutschland besuchten, schloss er sie mit Tränen in den Augen in die Arme. Mit dabei hatten sie einen Siegelring der Familie und sämtliche Orden des verstorbenen Familienoberhauptes, die Dieter als ältestem Sohn zustehen und die seitdem einen Ehrenplatz in seinem Haus in Husum haben.

„Wir sind glücklich, dass wir nach mehr als 60 Jahren endlich zusammengefunden haben, du bist in deiner Art unserem Papa unglaublich ähnlich, die Hände, die Stirn und die Ohren hast du von ihm“, so die einhellige Einschätzung seiner brasilianischen Geschwister.

„Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, gerade so, als ob wir uns schon immer gekannt hätten“, schwärmt Dieter Hansen. „Die vier Geschwister haben mich mit einer unbeschreiblichen Herzlichkeit in ihrer Familie und in ihrem Leben aufgenommen. Besonders schön für uns ist, dass unser Vater sie mehrsprachig erzogen hat und sie daher alle perfekt Deutsch mit einem herrlich österreichischem Akzent sprechen.“

Das I-Tüpfelchen auf die Geschichte setzte dann das zuständige Standesamt in Nordfriesland. Auch ohne die sonst zwingend erforderliche Vorlage eines entsprechenden Dokumentes darf Dieter Hansen nun den Namenszusatz Angyalossy führen. Beim nächsten Besuch werden sich die Geschwister aus Brasilien somit noch heimischer fühlen. „Wir haben selbstverständlich unseren neuen Namen auf das Schild der Haustüre eingravieren lassen“, sagt Dieter Hansen nicht ohne Stolz. „Silke und Dieter Hansen-Angyalossy“.

frank.juergensen@brandzeilen.de

 

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