Fall Tanja Gräff: Vermisste Studentin nach 8 Jahren tot aufgefunden

Von Edgar Schneider

Kategorien: Ungeklärte Kriminalfälle, Vermisst


Datum: 22.05.2015

Vor acht Jahren verschwand Tanja Gräff (21) unter mysteriösen Umständen während des alljährlichen Sommerfestes der Fachhochschule Trier. Trotz mehrerer großangelegter Suchaktionen gab es von der vermissten Studentin acht Jahre lang keine einzige Spur. Jetzt wurde Tanja Gräffs skelettierte Leiche zufällig gefunden. Nur ein paar Hundert Meter vom Ort ihres Verschwindens entfernt. An einem Steilhang direkt neben einem Wohnhaus! BrandZeilen.de auf Spurensuche in einem der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Kriminalgeschichte.

Nichts haben ihre Eltern, Freunde und Kommilitonen unversucht gelassen. Sie haben mehrere Tausend Suchplakate geklebt, Flyer verteilt, via Internet mögliche Kontaktpersonen gesucht und an Infoständen über das Schicksal von Tanja Gräff informiert, die am Morgen des 7.6.2007 spurlos verschwand.

Am Vorabend ihres Verschwindens – es war der Mittwoch vor Fronleichnam – fand auf dem Gelände der Fachhochschule Trier das alljährliche Sommerfest statt. Etwa 15.000 Besucher waren zur Fachhochschule geströmt, um bei bestem Frühsommerwetter ausgelassen zu feiern. Deutsche, Luxemburger, Belgier, Holländer, Franzosen. Unter ihnen auch Tanja Gräff, eine 21-jährige Lehramtsstudentin für Deutsch und Geschichte im 4. Semester.

„Wir waren zusammen auf dem Fest, Tanja war gut gelaunt, alles war bestens“, erinnert sich Christian S. ein langjähriger, guter Freund von Tanja.  Bis etwa vier Uhr morgens, als Tanja Gräff in Begleitung eines bislang unbekannten jungen Mannes zum letzten Mal gesehen wurde. Denn was danach geschah, blieb weitestgehend im Dunkeln. „Wir hatten uns im Getümmel des Festes verloren“, sagt Christian, der sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Sorgen machte. Als Tanja jedoch am nächsten Tag auf ihrem Handy nicht mehr erreichbar war und sich auch bei ihren Eltern nicht meldete, spürte er, dass etwas mit ihr passiert sein musste.

Bei der Polizei nahm man die Sache sofort sehr Ernst. Unmittelbar nachdem die Eltern eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatten, lief eine erste großangelegte Suchaktion an. Wälder, Flüsse und Teiche in der Umgebung von Trier wurden zeitnah abgesucht, mehrere Hundertschaften der Polizei, Hubschrauber mit Wärmebildkameras, eine Hundestaffel und Taucher mit Sonargeräten waren tagelang im Einsatz.

Doch sämtliche Suchmaßnahmen blieben ergebnislos, Tanja Gräff war wie vom Erdboden verschluckt. Ein Telefongespräch um 4.13 Uhr am Donnerstagmorgen blieb das letzte Lebenszeichen der hübschen Studentin. Danach, so die Überprüfung ihrer Handydaten, blieb das Mobiltelefon für immer ausgeschaltet.

Die Trierer Polizei ging daher sehr schnell von einem Kapitalverbrechen aus. Die 30-köpfige „SOKO FH“ nahm ihre Arbeit auf. Eine Belohnung in Höhe von 30.000 Euro wurde ausgesetzt, mögliche Zeugen wurden gesucht, Besucher des Sommerfestes der Fachhochschule befragt. Doch niemand hatte während der Feier etwas Verdächtiges beobachtet, niemand konnte etwas über Tanjas letzten Begleiter sagen. Auch die etwa 6.000 Schnappschüsse vom Sommerfest, die der Polizei von Besuchern zur Verfügung gestellt wurden, brachte die Ermittler nicht weiter. So blieb unklar, wie und mit wem Tanja Gräff das Gelände der Fachhochschule verlassen hatte.

Zu einer wichtigen Spur wurden die Aussagen mehrerer Anwohner aus dem Stadtteil Pallien, die eine Woche nach Tanjas Verschwinden Schreie aus Richtung Moselufer und unterhalb einer nahe gelegenen Felswand vernommen hatten. „Verzweifelte Schreie einer Frau in großer Bedrängnis und ein schreckliches Wimmern“, wie einer der Ohrenzeugen zu Protokoll gab.

Zwar durchsuchte die Polizei daraufhin mehrere Häuser, allerdings nicht das sechsstöckige Wohnhaus, hinter dem Tanjas skelettierte Leiche acht Jahre später gefunden wurde.

Die Jahre gingen ins Land, niemand in Trier glaubte mehr daran, dass Tanja noch lebt. Auch wenn ihre Eltern die Hoffnung nie aufgaben, ihre Tochter doch noch gesund wiederzubekommen. Tanjas Vater starb vor zwei Jahren - aus Gram über den Verlust seiner Tochter, wie Freunde sagen. Und Tanjas Mutter kritisierte immer wieder öffentlich die Arbeit der Trierer Polizei. Dass sie sich allein gelassen fühlte, dass man nicht allen Spuren nachgegangen sei, und dass man insbesondere Tanjas neuen Bekanntenkreis nicht sorgfältig unter die Lupe genommen habe. Denn vieles sprach dafür, dass ein möglicher Täter aus dem direkten Umfeld der Studentin stammte.

Für die Mutter waren es lange Jahre quälender Ungewissheit. Eine lange Zeit, die die Wunde in ihrem Herzen nicht heilen konnte.

Erst jetzt, acht Jahre nach dem spurlosen Verschwinden ihrer Tochter, hat die Mutter endlich Gewissheit, dass Tanja nicht mehr lebt und dass sie unmittelbar nach ihrem Verschwinden zu Tode kam: Waldarbeiter waren bei Rodungsarbeiten am Fuße eines Steilhangs zum Moselufer auf Tanja Gräffs sterbliche Überreste gestoßen - nur etwa achthundert Meter von der Fachhochschule, dem Ort ihres Verschwindens, entfernt. Auch Tanjas persönliche Gegenstände, ihr Handy, ihr Schmuck, ihr Studentenausweis und ihre Kleidung lagen am Fundort des Skeletts.

Noch können die Ermittler nicht sagen, wie Tanja Gräff zu Tode gekommen ist, aber vieles spricht dafür, dass sie Opfer eines Kapitalverbrechens wurde. Nichts deudet darauf hin, dass die Studentin nach Verlassen des Sommerfestes ohne erkennbares Ziel in völliger Dunkelheit zu Fuß durch unwegsames Gelände zu dem Steilhang gelaufen und dort abgestürzt sein könnte. Zumal der Steilhang zum Moselufer durch einen 1,50 Meter hohen Zaun vor unfreiwilligen Abstürzen gesichert ist. Da laut Gerichtsmedizin am Schädel der Toten keinerlei Verletzungen zu erkennen sind, spricht alles dafür, dass Tanja umgebracht wurde und dann von ihrem Mörder in dem unwegsamen Gelände am Fuße des Steilhangs abgelegt wurde.Auch wenn das endgültige Ergebnis der rechtsmedizinisschen Untersuchungen noch nicht vorliegt.

So geriet dann auch die Trierer Polizei nach Auffinden des Skeletts in arge Erklärungsnot. Warum hat man damals Tanjas Leiche nicht gefunden? Wie konnte es sein, dass Tanjas sterbliche Überreste in einem Gelände gefunden wurden, das laut Angaben der Polizei nach ihrem Verschwinden angeblich mehrfach akribische durchsucht worden war? Das felsige Gelände war von Hubschraubern und Drohnen abgeflogen worden, Einsatzkräfte hatten sich an dem Steilhang sogar bis zu einem Vorsprung abgeseilt - ohne Tanjas Leiche zu bemerken, die nur wenige Meter entfernt lag.

„Das Auffinden der sterblichen Überreste hat uns jetzt ein Stück weitergebracht, aber es ist noch ein langer Weg, bis der Fall aufgeklärt ist“, erklärte Oberstaatsanwalt Fritzen bei einer Pressekonferenz. Erneut wurde eine SOKO (FH Neu) ins Leben gerufen, sie will sämtlichen Spuren noch einmal akribisch nachgehen. Tanjas Freunde und ehemalige Kommilitonen hoffen nun, dass acht Jahre nach Tanjas Verschwinden endlich Licht ins Dunkel des Falles kommt und dass die Hintergründe ihres Todes endlich geklärt werden. Vor allem aber, dass die Polizei den Schuldigen findet und Tanjas Mörder überführt.

edgar.schneider@brandzeilen.de

 

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Täter gesucht


Vermisste Tanja Gräff nach 8 Jahren tot aufgefunden

Nach dem Auffinden der sterblichen Überreste der vermissten Studentin hofft die „SOKO FH Neu“ auf sachdienliche HInweise.

Die Kripo möchte wissen:

Wer hat Tanja Gräff nach dem 7.6.07 noch gesehen? Welcher auswärtige Besucher hat Tanja Gräff auf dem Sommerfest der FH – möglicherweise in Begleitung eines jungen Mannes - gesehen und wurde bisher noch nicht von der Polizei befragt?

Wer hat Beobachtungen im Bereich des Fundortes "Roter Felsen" im Trierer Stadtteil Pallien gemacht, die im Zusammenhang mit dem Verschwinden und einem Verbrechen an Tanja Gräff in Zusammenhang stehen könnten?


Hinweise an die Kripo in Trier, Telefon 0651 97790


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