Erstochen und ausgeraubt: Der grausame Tod eines pensionierten Musiklehrers

Von Edgar Schneider

Kategorien: Ungeklärte Kriminalfälle


Datum: 28.05.2015

Mit Bildern aus der Überwachungskamera fahndet die 3. Berliner Mordkommission nach einem brutalen Messermörder. Sein Opfer: Manfred Kindel (†62), ein pensionierte Musiklehrer. Bei ihren Ermittlungen stieß die Polizei auf ein gut gehütetes Geheimnis des Mordopfers: Manfred Kindel war schwul. Er traf sich mit jungen Männern, die er zuvor über einschlägige Internetseiten kennengelernt hatte. BrandZeilen.de bittet um Mithilfe bei der Fahndung.

Warum musste dieser wunderbare Mensch auf solch grausame Weise sterben? Eine Antwort auf diese Frage haben die Bewohner des Mietshauses am Klausenerplatz 16 in Berlin bis heute nicht bekommen. Spontan haben sie Kerzen angezündet und Blumen vor der Haustüre abgelegt. Auf einem kleinen Plakat bekunden sie in bewegenden Worten ihre „unsägliche Trauer über den Verlust eines lieben Freundes“.

Sie trauern um Manfred Kindel(†62), einen pensionierten Musiklehrer, der seit vielen Jahren in dem Haus in der Nähe des Charlottenburger Schlosses lebte. Man schätzte den allein stehenden Mann als überaus netten und liebenswerten Menschen. Höflich, kultiviert, gebildet.

Seine sexuellen Neigungen und Vorlieben hatte der Pädagoge jedoch stets vor den Nachbarn, seinen Kollegen, seiner Familie und sogar vor seinen engsten Freunden geheimhalten können. Manfred Kindel war schwul! In einschlägigen Internetportalen suchte er Männerbekanntschaften, regelmäßig waren junge Männer zu Gast in seiner Wohnung. Dort waren sie ihm - möglicherweise gegen Geld - zu Diensten. Unter ihnen, so die späteren Ermittlungen der Polizei, ein junger Mann mit Namen Philipp. Er hatte seit mehreren Jahren regelmäßig Kontakt zu dem Pensionär.

Weil Angehörige ihn am 24.März 2012 nicht erreichen konnten und von einem Unglücksfall ausgingen, alarmierten sie die Feuerwehr, die daraufhin die Wohnung des Mannes gewaltsam öffnete. Den Blauröcken bot sich ein schreckliches Bild: auf dem Boden fanden sie Manfred Kindels blutüberströmte Leiche. Niedergemetzelt mit mehr als einhundert Stichen. Die Tatwaffe: ein Stilett. Die 3. Berliner Mordkommission nahm ihre Arbeit auf.

„Die Obduktion ergab, dass Manfred Kindel Opfer eines Tötungsverbrechens wurde, und dass ihm bereits am Nachmittag des 23.3. die schweren Stichverletzungen zugefügt wurden, denen er sofort erlag“, so ein Ermittler des Berliner LKA.

Vieles spricht dafür, dass Manfred Kindel seinen Mörder kannte, ihn freiwillig in seine Wohnung ließ oder ihn sogar mit nach Hause genommen hatte. Möglicherweise war es einer seiner vielen flüchtigen Männerbekanntschaften. Auch wenn ein sexueller Hintergrund nicht auszuschließen ist, dürfte Raub das Motiv für den Messermord gewesen sein. Denn neben Bargeld erbeutete Manfred Kindels Mörder auch dessen EC-Karte.

Zwar hatte niemand im Haus zur Tatzeit etwas Verdächtiges bemerkt oder gar den Mörder ihres Nachbarn im Haus gesehen, dennoch verfügte die Kripo schon kurze Zeit später über die erhoffte heiße Spur: Unmittelbar nach der Bluttat hatte ein Unbekannter versucht, mit Kindels EC-Karte an einem Automaten einer Bankfiliale am Bayerischen Platz Geld abzuheben. Die Polizei ist überzeugt: Der Mützenmann auf den Bildern der Überwachungskamera ist auch der Mörder. Er hat den Musiklehrer erstochen und anschließend ausgeraubt.

Hier der Link zum Fahndungsvideo der Berliner Polizei.

Bei dem Mann handelt es sich jedoch nicht um den ominösen Philipp, den die Polizei mit einem Foto über die Medien als wichtigen Zeugen suchte und ihn auch kurze Zeit später fand. Doch Philipp konnte den Ermittlern nicht weiterhelfen. So ist trotz intensiver Ermittlungen auch drei Jahre nach dem blutigen Verbrechen der Mörder des Pensionärs  immer noch auf freiem Fuß. Erst wenn er gefasst ist, werden Manfred Kindels Nachbarn eine Antwort auf ihre Fragen bekommen.

edgar.schneider@brandzeilen.de

 

 

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Täter gesucht


Mord an Manfred Kindel (†62)

Die 3. Berliner Mordkommission möchte wissen:

Wer kennt den Mann auf den Bildern der Überwachungskamera? Er ist ca. 20-35 Jahre alt und 170-180 Zentimeter groß.

Wer kann Hinweise zur abgebildeten Jacke geben, die der Täter in der Nähe des Tatortes entsorgte?

Wer kann Angaben zu Manfred Kindels persönlichem Umfeld machen, zu wem hatte er zuletzt Kontakt?

Wer hatte Kontakt zu Manfred KIndel und wurde bislang noch nicht von der Polizei befragt?


Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens und zur Festnahme des Täters führen, ist eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro ausgesetzt.


Hinweise, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden können, bitte an die 3. Mordkommission, Tel. (030) 4664-911333, oder jede andere Polizeidienststelle.

 

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