Ihre Liebe besiegte den Tod

Von Claus Hollmann

Kategorien: Happy End, Schicksale


Datum: 08.07.2015

Der Hausarzt hatte Hermann Suhr nach einem Herzinfarkt für tot erklärt. Sanitäter konnten den damals 71-Jährigen zwar reanimieren, doch nach fünfundsiebzig Minuten Unterversorgung seines Gehirns gab ihm niemand eine Überlebenschance. Dan geschah das Wunder. Nach 21 Tagen erwachte ihr Mann aus dem Koma, seine Ehefrau half ihm - gegen den Widerstand von Ärzten, Medizinischem Dienst und Kassenbürokaten - mit erfolgreichen Therapien und der Kraft ihrer Liebe Schritt für Schritt zurück ins Leben. Heute erfreut sich Hermann einer guten Gesundheit, er führt an der Seite seiner Frau wieder ein eigenständiges Leben. BrandZeilen.de hat das Ehepaar in Itzehoe besucht.

Die Liebe versetzt Berge, sie lässt uns das Leben spüren. Sie kann Wunder bewirken, auch wenn die Lage hoffnungslos erscheint und manchmal weckt sie sogar Tote auf: Das zeigt die Geschichte von Hermann „Manny“ Suhr. Der 85-Jährige aus Itzehoe wurde durch die Liebe und Zuneigung seiner Ehefrau Else zurück aus dem ewigen Schlaf geholt.

Ein Wunder. „Das sehen sogar Schulmediziner so“, sagt die pensionierte Bankangestellte während sie ihren „Manny“ liebevoll in den Arm nimmt. Denn Hermann Suhr war tot, verstorben in der Praxis seines Hausarztes. Herzinfarkt!  „Mein Beileid“, kondolierte der Mediziner am Telefon der Ehefrau.

Heute sitzt das Ehepaar paar gemütlich auf der Terrasse seines Hauses und blicken voller Dankbarkeit auf die letzten fünfzehn Jahre zurück. Auf fünfzehn Jahre eines neu geschenkten Lebens. Jahre, in denen sich Herman Suhr an der Seite seiner Frau Schritt für Schritt ins Leben zurück gekämpft hat. Voller Dankbarkeit erinnern sie sich an den Tag, an dem Manny aus dem Koma erwachte und für ihn und seine Frau ein zweites Leben begann.

Der Hausarzt erklärte ihn für tot

Rückblende. Der 19. Oktober 2000 war ein wunderschöner Herbsttag. Es ist der Tag, an dem die heile Welt der Suhrs von einem Augenblick zum anderen aus den Fugen geriet. „Wir hatten den ganzen Tag an unserem neuen Gartenzaun gearbeitet und wollten abends zu einem Computerkurs in der Volkshochschule“, erinnert sich Else Suhr an den Tag, der im Gedächtnis ihres Mannes bis heute unwiederbringlich ausgelöscht ist.     

Sie wunderte sich noch, dass er vorher „noch schnell“ zum Arzt wollte, um ein EKG machen zu lassen, doch als eine gute Stunde später das Telefon klingelte und der Hausarzt am Apparat war, riss es ihr den Boden unter den Füßen weg. „Mein aufrichtiges Beileid, Frau Suhr, Ihr Mann ist soeben in meiner Praxis verstorben. Ich habe noch versucht, ihn zu reanimieren, aber das hat nicht geklappt“, eröffnete er der sprachlosen Ehefrau.

Unter Schock fuhr sie zur Leichenhalle des örtlichen Krankenhauses, um ihren Mann ein letztes Mal in die Arme und von ihm Abschied zu nehmen. zu nehmen. Doch er war nicht da! „Man sagte mir, dass er auf der Intensivstation läge, die Sanitäter des Rettungswagens, der zur Arztpraxis gerufen worden war, hatten ihn 75 Minuten nach seinen Tod erfolgreich reanimiert“, berichtet Else Suhr.

Seine Else wich nicht mehr von seiner Seite

Angeschlossen an Schläuche und Apparate fand sie ihren Mann. Die Diagnose: schwerer Herzhinterwandinfarkt. Er lag im Koma, und da sein Gehirn 75 Minuten ohne ausreichende Sauerstoffversorgung geblieben war, hatten die Ärzte keine Hoffnung, dass er die Nacht überleben würde. Wenn doch, und sollte er überhaupt noch einmal aus dem Koma erwachen, so die Prognose, würde er aufgrund irreparabler Hirnschäden ein Leben lang ein Schwerstpflegefall bleiben. Ein hoffnungsloser Fall eben.

„Dennoch habe ich mich damit nicht abfinden wollen, ich war fest entschlossen, alles zu tun, damit mein Mann wieder auf die Beine kommt“, sagt Else Suhr. Vom Augenblick dieser schrecklichen Diagnose an wich sie nicht mehr von seiner Seite. „Ich habe unaufhörlich zu ihm gesprochen, ihn gestreichelt, ihn immer wieder geküsst und ihm seine Lieblingsmusik von Zarah Leander über Kopfhörer auf seine Ohren gelegt“, berichtet die Ehefrau, die die Ärzte und das Pflegepersonal ob ihrer Bemühungen schlichtweg für verrückt hielten. Denn niemand glaubte an eine Besserung des Zustandes, geschweige denn an eine Genesung des Patienten.

Doch Else Suhr ließ sich nicht beirren. Zu groß war die Liebe zu ihrem Mann, den sie auf keinen Fall verlieren wollte. Sie hielt ihm den Duft von Orangenschalen unter die Nase, sie bewegte seine Gelenke und knetete seine Hände und Füße.

Ein Wunder geschah

„Nach zweiundzwanzig Tagen Koma geschah dann das, was ich bis heute das Wunder der Liebe nenne“, sagt die Ehefrau. „Entgegen allen medizinischen Prognosen erwachte er aus seinem tiefen Koma, er bewegte seine Augen und seine Lippen.“ Der erste zusammenhängende Satz, den ihr Mann Wochen später über die Lippen brachte, rührte sie zu Tränen und bereiteten ihr ein unbeschreibliches Glücksgefühl: „Du warst immer bei mir.“

Als Hermann Suhr in die neurologische Abteilung einer Spezialklinik an der Ostsee verlegt wurde, war er in einem jämmerlichen Zustand. Er konnte nicht mehr sprechen und war an den Rollstuhl gefesselt. Mühsam musste er wieder sprechen und laufen lernen. Und wieder blieb Else Suhr an seiner Seite. Sie nahm sich eine Wohnung in der Nähe, um rund um die Uhr für ihren Mann und seine Genesung da zu sein.

„Beim Pflegepersonal verspürte ich eine gewisse Gleichgültigkeit, man war der Meinung, dass es sich bei meinem Mann nicht lohne, sich um eine weitere Genesung zu bemühen“, berichtet Else Suhr, die weiter unermüdlich mit ihrem Mann arbeitete. Mit schier unendlicher Geduld übte sie mit ihm sprechen und half ihm, dabei, die meisten seiner  Erinnerungen wieder zu finden. Sie las ihm vor, sie küsste und liebkoste ihn. Schritt für Schritt kämpften sie sich ins Leben zurück.

Der Kampf gegen Gesundheitsbürokraten

Wurde ihr Manny ungeduldig oder war er frustriert, weil das Hemd anziehen oder die Tasse heben nicht auf Anhieb klappten, baute ihn seine Frau schnell wieder auf. Nichts ließ sie verzagen, auch als sie selbst schwer erkrankte und sich einer Brustkrebsoperation unterziehen musste, warf sie das nicht aus der Bahn.

Sie kämpfte gegen die Gleichgültigkeit von Schulmedizinern und gegen die Ignoranz von Gesundheitsbürokraten, die „nach Aktenlage“ entschieden und ihrem Mann die notwendige Rehamaßnahmen verweigerten. Sie haute auf den Tisch, legte Widersprüche ein und legte sich mit Chefärzten an, die ihren Mann in die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie verlegen wollten.

„Ich habe jahrelang gegen landläufige medizinische Meinungen ankämpfen müssen, aber ich habe mich nie entmutigen oder von meinem Weg abbringen lassen“, sagt Else Suhr. Der Weg waren die Genesung ihres Mannes und sein Weg aus Kliniken und Therapiezentren zurück nach Hause. Zwei Jahre nach seinem „Tod“ kam Hermann Suhr aus dem Pflegeheim zum ersten Mal zurück in seine gewohnte Umgebung. Erst für Stunden, dann übers Wochenende und schließlich für immer.

Dankbarkeit für ein geschenktes, zweites Leben

„Das war der Augenblick, auf den wie beide so hart hingearbeitet hatten, es war ein Augenblick unbeschreiblichen Glücks“, sagt Else Suhr voller Dankbarkeit.

Heute führt Hermann Suhr an der Seite seiner Frau wieder ein selbst bestimmtes Leben im eigenen Haus. Die beiden haben ihre Goldene Hochzeit und seinen 85. Geburtstag gefeiert. Hermann Suhr erfreut sich mittlerweile einer Gesundheit, um die ihn so manch Achtzigjähriger beneidet. „Trotz kleiner gesundheitlicher Defizite, mit denen mein Manny aber sehr gut leben kann.“

claus.hollmann@brandzeilen.de

 

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Info


Tod oder Leben?

Else Suhr hat ein Buch geschrieben, in dem sie den langen Kampf um die Genesung ihres Mannes und seinen Weg zurück ins Leben beschreibt. Sie möchte Angehörigen von Komapatienten Mut machen.


Buchtitel: Tod oder Leben? Durch die Liebe zum Leben!


Das Buch ist über das Verlagsbüro Ihleo zu beziehen.

Internet: www.ihleo.de

Email: email@ihleo.de

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