Ein Pflegelifter wurde zum tödlichen Geschoss

Von Wolfgang Hillnhütter

Kategorien: Schicksale


Datum: 19.04.2015

Weil Maria B. (92) nicht mehr sicher auf den Beinen war, kaufte ihr Sohn Hans-Jürgen (52) in einem Sanitätshaus für sie einen Lifter, mit dem sie vom Rollstuhl ins Bett transportiert werden sollte. Kaum in Betrieb knickte der Galgen des schweren Lifts um und schoss samt Insassin zu Boden. Die alte Frau wurde schwer verletzt, sie verstarb drei Monate später. BrandZeilen.de hat die üblen Machenschaften auf Kosten argloser Patienten aufgedeckt.

Das kriminelle Verhalten dieses Sanitätshauses ist für mich ein einziger Skandal. Dessen Geldgier hat meine Mutter das Leben gekostet. “ Bittere Worte von Hans-Jürgen B.(52), der seine Mutter Maria durch einen schrecklichen Unfall verlor. Die 92-jährige aus Bad Kissingen stürzte im eigenen Haus  aus einem so genannten Pflegelift und starb kurz darauf an ihren schweren Verletzungen. Der Grund für den Sturz: das Gerät war über zwölf Jahre alt und wies erhebliche Sicherheitsmängel auf. Das Sanitätshaus, das der alten Frau den Lift verkauft hatte, wusste um die Gefahr, aber war einer zwingend erforderlichen Rückrufaktion nicht nachgekommen.

 Trotz ihres recht hohen Alters war Maria Beck bis auf ein paar Probleme beim Laufen noch fit. Die gelernte Schneiderin, die viele Jahre mit ihrem zwischenzeitlich verstorbenen Mann Willi eine Gaststätte in Köln betrieben hatte, genoss ihren Lebensabend in Bayern. „Sie war mit sich und dem Leben vollends zufrieden “, berichtet ihr Sohn, der vor Jahren schon ins Haus der Mutter gezogen war und sich rührend um sie kümmerte. „Oft fuhren wir zusammen an die Ostsee, aber am liebsten besuchte sie mit mir die hiesigen Kurkonzerte.“

Als ihr Sohn wegen eines Leistenbruchs ins Krankenhaus musste und ein Pflegedienst sich um seine Mutter kümmern sollte, bestand dieser darauf, dass wegen ihres Gewichts von über 100 Kilogramm ein Pflegelifter angeschafft wurde, um sie besser aus dem Bett oder in die Badewanne bewegen zu können.

Das ortsansässige Sanitätshaus Hörnlein verkaufte ihnen einen Lifter des Fabrikats aks zum Preis von 1.489 Euro. Was Maria B. und ihr Sohn nicht ahnten: statt eines neuen Lifts bekamen sie ein Uralt-Gerät, das mindestens 12 Jahre auf dem Buckel hatte. Es war jedoch so umgespritzt worden, dass das wahre Alter für einen Laien nicht zu erkennen war. Eine tickende Zeitbombe, wie sich schon kurze Zeit später  auf schreckliche Weise darauf herausstellen sollte. „Ich wollte meine Mutter zusammen mit einer Pflegekraft von ihrem Toilettenstuhl ins Bett bewegen, als das Gerät beim Hochfahren unvermittelt in sich zusammenbrach “, erinnert sich Hans-Jürgen B. mit Schrecken. „Meine Mutter stürzte ab und fiel mit voller Wucht auf die unteren Metallschienen des Lifters. Sie hat vor Schmerzen nur noch geschrien.“

  Maria B. wurde mit einem Notarztwagen in die Klinik gebracht und gleich operiert. Neben einem Oberschenkelhalsbruch hatte sie sich mehrfache Beckenbrüche zugezogen. Weil sich nach der schweren Operation zu allem Unglück auch noch eine lebensbedrohliche Darmlähmung einstellte, kam die alte Frau nicht mehr auf die Beine. „Meine Mutter hat nach dem Sturz unvorstellbar gelitten, sie hat sich nicht mehr von den Folgen erholt, ihr Tod dreieinhalb Monate später war für sie wie eine Erlösung “, klagt ihr Sohn.

  Zu der Trauer und dem Verlust der geliebten Mutter kam die Wut über das Verhalten des Sanitätshauses. Während der Hersteller aks zu seiner Verantwortung stand und anstandslos ein Schmerzensgeld und Behandlungskosten in Höhe von fast sechzehntausend Euro bezahlte, wies der Inhaber des Sanitätshauses jegliche Schuld weit von sich. „Und das, obwohl ein Gutachter zweifelsfrei festgestellt hat, dass man uns ein Uraltgerät zum Neupreis verkauft hat, und das Sanitätshaus der dringenden Aufforderung des Herstellers auf Überprüfung nicht nachgekommen ist “, empört sich der Sohn. „Man hat uns bewusst nicht über die Rückrufaktion informiert, weil sonst herausgekommen wäre, dass man uns ein altes Gerät als neu verkauft hat. Dass man dadurch einen schweren Unfall und den Tod eines alten Menschen billigend in Kauf genommen hat, ist für mich schlichtweg kriminell.“

Mit Hilfe seines Rechtsanwalts Hans Weiß (63) sorgte er dafür, dass die Hintergründe des tödlichen Sturzes restlos aufgeklärt wurden. „Dazu habe ich Strafantrag gegen die Verantwortlichen des Sanitätshauses gestellt“, so der Jurist. „Dies geschah auch im Interesse anderern alter und behinderter Menschen, bei denen solche Pflegelifte im Einsatz sind.“

Der Besitzer des Sanitätshauses wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Betruges zu einer Geldstrafe in Höhe von € 15.400 verurteilt und gilt nun als vorbestraft. „Meine verstorbene Mutter bekomme ich dadurch zwar nicht zurück“, sagt Rolf B. traurig, „aber ich bin froh, dass die Verantwortlichen für ihr kriminelles Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurden. So etwas darf nie wieder vorkommen.“

wolfgang.hillnhuetter@brandzeilen.de

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Interview


Rechtsanwalt Hans Weiß, Bad Kissingen

Wann übernehmen die Krankenkassen die Kosten für einen Pflegelifter?

Die Kosten für einen neuwertigen Patientenlifter belaufen sich auf etwa 1.500 Euro. Jeder, der mindestens die Pflegestufe 1 hat, kann einen Antrag auf einen Patientenlifter stellen. Die Gesetzlichen Krankenkassen prüfen jeden Einzelfall, dem Antrag wird aber meist entsprochen.


Wie erkenne ich, ob ich tatsächlich einen neuen Lifter bekommen habe?

Jeder Lifter hat ein Typenschild, auf dem das Baujahr vermerkt dies. Fehlt es, ist Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall sollten Sie sich mit dem Sicherheitsbeauftragten für Medizinprodukte des jeweiligen Herstellers in Verbindung setzen.


Was raten Sie Geschädigten nach einem Unfall ?

Als erstes muss der Lifter zur Beweissicherung in Ihrem Besitz verbleiben. Nehmen Sie unverzüglich anwaltliche Hilfe in Anspruch und gehen Sie straf- und zivilrechtlich gegen den Hersteller und Ihr Sanitätshaus vor!


Kontakt:

Rechtsanwalt Hans Weiß

Email: hans.g.weiss@web.de

Telefon; 0971 1210

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