Käte ist Deutschlands flotteste Urgroßmutter

Von Niels Pauls

Kategorien: Happy End


Datum: 08.04.2015

Käte Knorr ist  Deutschlands flotteste Uroma. Sie bekam ihre erstes Kind, als sie 20 war und war 38, als sie Oma wurde. Mit 62  machte Enkelkind Christin sie zur Uroma. Das Vier-Generationen-Haus der Rentnerin, die noch bis vor kurzem auf dem Laufsteg Kleider vorführte, ist der Mittelpunkt ihres glücklichen Familienlebens. BrandZeilen.de hat sie in Nordfriesland besucht.

Käte Knorr hat ein schickes Kleid angezogen und macht sich vor dem Spiegel zurecht. „Gleich geht's ab in die Stadt“ erklärt die 66-jährige. „Ich bin mit meiner Enkelin und meiner Urenkelin zum Eis essen verabredet.“ Wie bitte? Sechsundsechzig Jahre jung und schon Uroma? In einem Alter, in dem viele Frauen noch davon träumen, ihr erstes Enkelkind im Arm zu halten? „Aber sicher“, schmunzelt die gutaussehende Nordfriesin aus Husum an der Nordsee. Kennt sie dieses Glücksgefühl doch schon sehr lange. Sie hat nicht nur drei erwachsene und zwei jugendliche Enkelkinder, sie wurde im besten Alter von 62 Jahren sogar Urgroßmutter.

Um diese Freuden genießen zu können, musste Käte Knorr freilich früh mit dem Kinderkriegen anfangen. „Ich war gerade 20 Jahre alt und mit meinem Mann Heino frisch verheiratet, als ich mit Sünje schwanger wurde“, erzählt die gelernte Bürokauffrau, die ihre Lehre in einem Modehaus gemacht und schon erste Erfahrungen auf dem Laufsteg gesammelt hatte. Bereits im jugendlichen Alter hatte sie davon geträumt, früh Mutter zu werden und eine glückliche Familie zu haben. Das war Ende der 60er Jahre, die Voraussetzungen in Zeiten des Wirtschaftswunders waren gut. „Ich hatte mein Glück gefunden, wir wohnten im Haus meiner Eltern, wir hatten einen großen Garten, für die Kinder ein Pony mit einer Kutsche und Hühner und Gänse“, erzählt Käte Knorr, die fünf Jahre später (1973) ihr zweites Wunschkind, Stefanie, zur Welt brachte.

 Weil die Mutter ihr hilfreich zur Seite stand, konnte Käte trotz der beiden Kinder weiter ihrer Arbeit nachgehen und Geld dazuverdienen. Mittelpunkt der Familie waren die beiden Kinder, von denen Sünje mit 18 Jahren als erste aus dem Haus ging, um ihrer Mutter in Sachen Kinderkriegen nachzueifern. „Ich hatte Zuhause ja mitbekommen, wie glücklich und zufrieden man als junge Mutter sein kann“, berichtet Sünje, heute 46, die früh mit ihrem späteren Mann Martin zusammenzog. „Die Schwangerschaft war zwar nicht geplant, aber ich war überglücklich, als ich mit meinen Zwillingen Christin und Kerryn in anderen Umständen war. Meine Entscheidung, so früh Mutter zu werden, habe ich nie bereut. Zudem wusste ich ja, dass ich immer auf meine Eltern würde zählen können, falls die Probleme mir mal über den Kopf wachsen.“

In der Tat hatte Sünje es als junge Zwillingsmutter nicht einfach. „Mein Mann, von dem ich mich 2007 trennte, war nie eine große Hilfe für mich, aber Mama und Papa standen meinen Kindern und mir immer zur Seite, denn vier Kinder groß zu ziehen und noch arbeiten gehen zu müssen, war wirklich nicht einfach,“, sagt Sünje rückblickend, die nach ihren Zwillingen noch Sohn Patrick (heute 24 ) und Tochter Lea (heute 18) bekam.

  „Als Christin und Kerryn geboren wurden, war ich flotte 38 Jahre jung und habe mich riesig gefreut, auch wenn ich es lieber gesehen hätte, wenn Sünje mit dem Nachwuchs noch gewartet hätte“, erinnert sich Käte Knorr, die ihre Omafreuden in vollen Zügen genoss. „Wenn ich meine beiden Enkelinnen im Kinderwagen spazieren fuhr, haben die Leute getuschelt und mich angeschaut, als hätte ich noch mal Nachwuchs bekommen“, erzählt sie schmunzelnd.

Sünjes Kinder wuchsen heran und auch sie genossen das Leben mit ihrer sehr jungen Mama. Sie gingen zusammen in die Disco, besonders die Zwillinge amüsierten sich köstlich, wenn man sie und ihre Mutter für Schwestern hielt. So wie man Sünje und ihre Mutter Käte stets für Schwestern gehalten hatte, wenn sie zusammen ausgingen oder gemeinsam zum Shoppen in die Stadt fuhren.

  „Als jung gebliebene Mutter hatte ich - wie meine Mutter früher für meine Schwester Stefanie und mich – immer großes Verständnis für meine Kinder, die wie wir sehr frei erzogen wurden und unbeschwert aufwachsen konnten“, erzählt Sünje Knorr. Genau wie früher ihre Mutter Sünje und ihre Oma Käte träumte dann auch Christin als Kind schon davon, früh Mutter zu werden und eine Familie zu gründen. Dennoch setzte sie die Familientradition nicht ganz so schnell fort. Sie war „schon“ 26 Jahre alt und stand drei Monate vor ihrer Abschlussprüfung zur Medizinischen Fachangestellten, als sie von ihrem Lebensgefährten Sebastian (28) unerwartet und ungeplant schwanger war. „Wir waren alle bei Oma Käte, um ihren Gartenzaun zu streichen, als ich nach einem Schwangerschaftstest Gewissheit hatte“, erzählt Christin. „Während meine Mutter völlig überrascht war und mich ungläubig anschaute, war Oma Käte die Erste, die ihrer Freude freien Lauf ließ und mich umarmt und beglückwünscht hat.“

So kam es, dass Sünje Knorr vor drei Jahren mit 43 Jahren Oma wurde und Käte Knorr – Deutschlands flotteste Uroma - überglücklich ihre Urenkelin Lenya Emili begrüßen durfte. „Auch ich wusste, dass ich mich auf Oma Käte voll und ganz verlassen kann“, betont Christin, „da Mama auch berufstätig ist, kann ich nur dank Uroma Käte die Erziehung und Betreuung meines Kindes und meinen Beruf unter einen Hut bringen.“

So wie früher ihre Enkelkinder oft bei ihr waren und auch übernachteten, hat Käte Knorr nun drei bis vier Mal in der Woche Urenkelin Lenya bei sich, um sich liebevoll um sie zu kümmern. „Am liebsten lässt sie sich im Kinderwagen spazieren fahren, oder ich führe sie auf Pollys Rücken durch den Garten. Es ist das Pony, das wir Christin und Kerryn zu Weihnachten geschenkt haben, als sie ein Jahr alt waren“, erzählt die Uroma, deren Haus auch nach dem Tod ihres Mannes Heino im letzten Jahr nach wie vor Mittelpunkt der Familie ist. Regelmäßig treffen sich bei ihr die vier Generationen, um gemeinsam einen der vielen Geburtstage zu feiern, zusammen auszugehen, eine Partie Rommee zu spielen oder mit dem Fahrrad an den nahe gelegenen Nordseedeich zu fahren. Sie alle genießen das herzliche Verhältnis untereinander. „Unsere Uroma ist die flotteste und auch die beste der Welt“, meinen dann auch Sünje und Christin wie aus einem Munde. Und wer weiß, vielleicht setzt Lenya die Familientradition fort und macht Uroma Käte in vierzehn Jahren zu Deutschlands jüngster Ur-Uroma. Dann wäre Lenya knapp achtzehn und Uroma Käte wäre runde 80 Jahre alt und bestimmt ähnlich flott wie heute. Ein schönes Alter für eine Ur-Uroma.

niels.pauls.@brandzeilen.de

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Info


Das erste Kind kommt immer später

Mit 18 oder 19 Jahren bekommen Frauen in Deutschland heute kaum noch Kinder. Der Trend geht in die andere Richtung: Deutschlands Erstgebärende werden immer älter.

Lag das Durchschnittsalter einer Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes 1980 noch bei 25.2 (BRD) und 22,1 Jahren (DDR), brachten 2010  Frauen in Westdeutschland ihr ersten Kind mit 29,2 Jahren und in den Neuen Bundesländern mit 27,4 Jahren zur Welt. Der Hauptgrund dafür ist, dass immer mehr Frauen zunächst ihre Ausbildung oder ein Studium abschließen möchten, bevor sie ein Kind bekommen.

Deutschlands jüngste Mutter ist eine 12-Jährige, die 2006 einen gesunden Jungen zur Welt brachte. Als bislang älteste Mutter gilt eine 51-Jährige, 2013 zum ersten Mal Mutter wurde.

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