Die Suche einer verzweifelten Mutter nach ihrem verschwundenen Kind

Von Wolfgang Hillnhütter

Kategorien: Schicksale, Vermisst


Datum: 07.04.2015

Vor vierzehn Jahren verschwand Bianca Blömeke aus Essen spurlos, ihr Freund stand lange Zeit im Verdacht, sie umgebracht zu haben. Seitdem versucht ihre Mutter Erika (54), etwas über das Schicksal ihrer Tochter herauszufinden. In ihrem Leben dreht sich alles nur noch um eine einzige Frage: was ist damals mit meinem Kind geschehen? BrandZeilen.de hat Biancas Mutter in Essen besucht.

Dass an jenem 6. August des Jahres 2000 etwas Schreckliches passiert sein musste, stand für Erika Schneider in dem Augenblick fest, als die Polizei sie über die näheren Umstände des Verschwindens ihrer damals 19-jährigen Tochter informierte. „Bianca hätte ihr sieben Monate altes Baby nie und nimmer alleine zurückgelassen“, war sie felsenfest überzeugt.

Bis zum 18.Lebensjahr hatte Bianca Blömeke bei ihr gelebt. Erika Schneider war für Bianca Mutter und beste Freundin in einer Person. Mit 19 verliebte sich die junge Frau, die eine Ausbildung zur Krankenpflegerin machen wollte, in den Hilfsarbeiter Sven L. (19). Als sie schwanger wurde, zog sie bei ihrer Mutter aus und nahm sich eine eigene kleine Wohnung im Essener Stadtteil Vogelheim. Mit der Geburt des kleinen Justin schien ihr Glück perfekt. Doch die Beziehung zu dem Kindsvater stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Es gab immer öfter Streit zwischen den beiden. Es ging ums Geld und um die Aufgabenverteilung innerhalb der kleinen Familie.

„Bianca erzählte mir, dass es häufig zu Gewalttätigkeiten gekommen war, und dass Sven sie schlagen würde“, erinnert sich Erika Schneider, die kein gutes Verhältnis zum Lebensgefährten ihrer Tochter hatte. Dennoch redete sie ihr nicht hinein, sondern versuchte, ihrer Tochter zu helfen. Sie unterstützte sie, wo sie konnte und war immer für sie da, wenn sie ihre Hilfe benötigte.

Biancas Baby blieb zurück

Auch am Sonntag, dem 6.8.2000 muss es wieder einen heftigen Streit zwischen Bianca und Sven gegeben haben. „Kurz nach drei rief sie bei mir an, weil sie etwas Wichtiges mit mir besprechen wollte“, erinnert sich die Mutter. „Sie wirkte sehr bedrückt.“ Weil Erika Schneider noch ein wichtiges geschäftliches Telefonat führen musste, wollte sie ihre Tochter später zurück rufen. „Als ich sie dann dreißig Minuten später auf ihrem Handy anrief, nahm Sven ab und sagte mir, dass Bianca nicht da sei.“

Das kam der Mutter merkwürdig vor. Ihr „komisches Gefühl“ verstärkte sich, als Sven abends noch einmal anrief und ihr eine abenteuerliche Geschichte auftischte. Eine Geschichte, die er sogar auch später bei der Polizei zum besten gab. Es habe Streit gegeben, aber da das Baby nichts davon mitkriegen sollte, habe er Justin ins Nachbarhaus zu Biancas Großmutter gebracht. Als er kurz darauf nach Hause kam, sei Bianca fort gewesen. Obwohl Erika Schneider ihm diese Geschichte von Anfang nicht glaubte, wartete sie noch vier Tage ab, ehe sie schließlich zur Polizei ging und eine Vermisstenanzeige aufgab.

Ermittlungen gegen den Freund

Die Vermisstenstelle der Essener Polizei nahm die Sache zunächst nicht besonders Ernst, obwohl Bianca ohne Jacke, ohne Handy und ohne ihr Portemonnaie verschwunden war. Selbst ihre Uhr befand sich noch in der Wohnung. Erst nachdem die verzweifelte Mutter sechs Wochen lang jeden Tag im Polizeipräsidium vorsprach und nicht locker ließ, wurde eine Mordkommission mit den Ermittlungen beauftragt. So erfuhr die Polizei erst sehr spät von einem lautstarken Streit in Biancas Wohnung, der dann, so die Aussagen der Nachbarn, „plötzlich und abrupt“ endete. Ins Visier der Kripo geriet Sven L., gegen den auch wegen des Verdachts eines Tötungsverbrechens ermittelt wurde. Doch da keine Leiche gefunden wurde, gab es keine stichhaltigen Beweise, dass er Bianca Blömeke umgebracht haben könnte.

„Seit dem Tag, an dem Bianca verschwand, bin ich durch die Hölle gegangen“, sagt Erika Schneider gegenüber BrandZeilen.de. Obwohl ihre Tochter an dem Tag für sie „zum ersten Mal gestorben ist“, hat sie nichts unversucht gelassen, etwas über ihr Schicksal herauszufinden. Getrieben von der vagen Hoffnung, dass sie vielleicht doch nur weggelaufen sei oder irgendwo gegen ihren Willen festgehalten würde. Sie hat Zeugen gesucht, Nachbarn befragt, im gesamten Ruhrgebiet und im Rheinland Suchplakate geklebt. Planlos ist sie durch die Fußgängerzonen der Städte gezogen und hat jede Frau angesprochen, die auf den ersten Blick auch nur eine entfernte Ähnlichkeit mit Bianca hatte. Sogar mit Sven L. hat sie sich getroffen und ihn inständig und unter Tränen angefleht, ihr zu sagen, was mit Bianca passiert ist, und wo sie sie finden kann. Doch er schwieg eisern.

Sie gibt die Hoffnung nicht auf

„All die Jahre gab es immer wieder diese kleinen Hoffnungsschimmer, die mich haben überleben lassen“, sagt Erika Schneider, die jedoch jedes Mal bitter enttäuscht wurde: Anrufer oder Briefeschreiber, die vorgaben, Bianca gesehen zu haben oder zu wissen, wo sie sich aufhält, entpuppten sich als Wahrsager oder Detektive, die einfach nur Geld am Verschwinden ihrer Tochter machen wollten.

Aufgrund der psychischen Ausnahmesituation, in der sie sich seit dem Verschwinden ihrer Tochter befindet, war sie nicht mehr in der Lage, eine Beziehung einzugehen. Sie geht nicht mehr aus und besucht auch keine Feiern mehr. „Seit Bianca weg ist, bin ich nicht mehr der fröhliche und ausgeglichene Mensch, der ich einmal war“, sagt die 54-jährige. „Aber damit muss ich fertigwerden wie auch mit der Ungewissheit, die aber zumindest dieses letzte Fünkchen Hoffnung am Leben hält, das nie in mir sterben wird. Mein Bauchgefühl sagt mir zwar, dass Bianca tot ist, aber solange man ihre sterblichen Überreste nicht findet, kann und will ich mich mit diesem Gedanken nicht abfinden.“

Nur schwer erträgt Biancas Mutter die schrecklichen Gedanken, die bei jeder Erinnerung an ihre Tochter seit fünfzehn Jahren präsent sind. Es sind die schrecklichen Albträume, die an ihren Kräften zehren. „Ich träume, dass Bianca zur Türe hereinkommt, aber bevor ich sie in die Arme schließen kann, ist sie schon wieder herausgelaufen. Ich folge ihr nach draußen und laufe dann gegen eine weiße Schneewand, hinter der unerreichbar mein Kind steht und mir zuwinkt.“

So leidet Erika Schneider seit 15 Jahren unter der schrecklichen Ungewissheit. Unter dem Verlust ihres einzigen Kindes, aber auch unter dem Verlust ihres geliebten Enkelkindes Justin, den das Jugendamt kurz nach Biancas Verschwinden in eine Pflegefamilie gab, und der nun in einem Heim leben muss „Bis auf ein kurzes Treffen vor zwei Jahren habe ich ihn all die Jahre leider nicht sehen können“, erzählt Erika Schneider.

Sollte Bianca Blömeke Opfer eines Verbrechens geworden sein - und dafür spricht vieles -steht für Erika Schneide r nicht die Höhe einer möglichen Strafe des Täters im Vordergrund. „Natürlich muss soll der, der Bianca etwas angetan hat, zur Rechenschaft gezogen werden. Aber wichtiger für mich ist, Bianca zu finden, damit ich sie sie ordentlich begraben und um mein Kind trauern zu können.

Dass an jenem 6. August des Jahres 2000 etwas Schreckliches passiert sein musste, stand für Erika Schneider in dem Augenblick fest, als die Polizei sie über die näheren Umstände des Verschwindens ihrer damals 19-jährigen Tochter informierte. „Bianca hätte ihr sieben Monate altes Baby nie und nimmer alleine zurückgelassen“, war sie felsenfest überzeugt.

Bis zum 18.Lebensjahr hatte Bianca Blömeke bei ihr gelebt. Erika Schneider war für Bianca Mutter und beste Freundin in einer Person. Mit 19 verliebte sich die junge Frau, die eine Ausbildung zur Krankenpflegerin machen wollte, in den Hilfsarbeiter Sven L. (19). Als sie schwanger wurde, zog sie bei ihrer Mutter aus und nahm sich eine eigene kleine Wohnung im Essener Stadtteil Vogelheim. Mit der Geburt des kleinen Justin schien ihr Glück perfekt. Doch die Beziehung zu dem Kindsvater stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Es gab immer öfter Streit zwischen den beiden. Es ging ums Geld und um die Aufgabenverteilung innerhalb der kleinen Familie.

„Bianca erzählte mir, dass es häufig zu Gewalttätigkeiten gekommen war, und dass Sven sie schlagen würde“, erinnert sich Erika Schneider, die kein gutes Verhältnis zum Lebensgefährten ihrer Tochter hatte. Dennoch redete sie ihr nicht hinein, sondern versuchte, ihrer Tochter zu helfen. Sie unterstützte sie, wo sie konnte und war immer für sie da, wenn sie ihre Hilfe benötigte.

Biancas Baby blieb zurück

Auch am Sonntag, dem 6.8.2000 muss es wieder einen heftigen Streit zwischen Bianca und Sven gegeben haben. „Kurz nach drei rief sie bei mir an, weil sie etwas Wichtiges mit mir besprechen wollte“, erinnert sich die Mutter. „Sie wirkte sehr bedrückt.“ Weil Erika Schneider noch ein wichtiges geschäftliches Telefonat führen musste, wollte sie ihre Tochter später zurück rufen. „Als ich sie dann dreißig Minuten später auf ihrem Handy anrief, nahm Sven ab und sagte mir, dass Bianca nicht da sei.“

Das kam der Mutter merkwürdig vor. Ihr „komisches Gefühl“ verstärkte sich, als Sven abends noch einmal anrief und ihr eine abenteuerliche Geschichte auftischte. Eine Geschichte, die er sogar auch später bei der Polizei zum besten gab. Es habe Streit gegeben, aber da das Baby nichts davon mitkriegen sollte, habe er Justin ins Nachbarhaus zu Biancas Großmutter gebracht. Als er kurz darauf nach Hause kam, sei Bianca fort gewesen. Obwohl Erika Schneider ihm diese Geschichte von Anfang nicht glaubte, wartete sie noch vier Tage ab, ehe sie schließlich zur Polizei ging und eine Vermisstenanzeige aufgab.

Ermittlungen gegen den Freund

Die Vermisstenstelle der Essener Polizei nahm die Sache zunächst nicht besonders Ernst, obwohl Bianca ohne Jacke, ohne Handy und ohne ihr Portemonnaie verschwunden war. Selbst ihre Uhr befand sich noch in der Wohnung. Erst nachdem die verzweifelte Mutter sechs Wochen lang jeden Tag im Polizeipräsidium vorsprach und nicht locker ließ, wurde eine Mordkommission mit den Ermittlungen beauftragt. So erfuhr die Polizei erst sehr spät von einem lautstarken Streit in Biancas Wohnung, der dann, so die Aussagen der Nachbarn, „plötzlich und abrupt“ endete. Ins Visier der Kripo geriet Sven L., gegen den auch wegen des Verdachts eines Tötungsverbrechens ermittelt wurde. Doch da keine Leiche gefunden wurde, gab es keine stichhaltigen Beweise, dass er Bianca Blömeke umgebracht haben könnte.

„Seit dem Tag, an dem Bianca verschwand, bin ich durch die Hölle gegangen“, sagt Erika Schneider gegenüber BrandZeilen.de. Obwohl ihre Tochter an dem Tag für sie „zum ersten Mal gestorben ist“, hat sie nichts unversucht gelassen, etwas über ihr Schicksal herauszufinden. Getrieben von der vagen Hoffnung, dass sie vielleicht doch nur weggelaufen sei oder irgendwo gegen ihren Willen festgehalten würde. Sie hat Zeugen gesucht, Nachbarn befragt, im gesamten Ruhrgebiet und im Rheinland Suchplakate geklebt. Planlos ist sie durch die Fußgängerzonen der Städte gezogen und hat jede Frau angesprochen, die auf den ersten Blick auch nur eine entfernte Ähnlichkeit mit Bianca hatte. Sogar mit Sven L. hat sie sich getroffen und ihn inständig und unter Tränen angefleht, ihr zu sagen, was mit Bianca passiert ist, und wo sie sie finden kann. Doch er schwieg eisern.

Sie gibt die Hoffnung nicht auf

„All die Jahre gab es immer wieder diese kleinen Hoffnungsschimmer, die mich haben überleben lassen“, sagt Erika Schneider, die jedoch jedes Mal bitter enttäuscht wurde: Anrufer oder Briefeschreiber, die vorgaben, Bianca gesehen zu haben oder zu wissen, wo sie sich aufhält, entpuppten sich als Wahrsager oder Detektive, die einfach nur Geld am Verschwinden ihrer Tochter machen wollten.

Aufgrund der psychischen Ausnahmesituation, in der sie sich seit dem Verschwinden ihrer Tochter befindet, war sie nicht mehr in der Lage, eine Beziehung einzugehen. Sie geht nicht mehr aus und besucht auch keine Feiern mehr. „Seit Bianca weg ist, bin ich nicht mehr der fröhliche und ausgeglichene Mensch, der ich einmal war“, sagt die 54-jährige. „Aber damit muss ich fertigwerden wie auch mit der Ungewissheit, die aber zumindest dieses letzte Fünkchen Hoffnung am Leben hält, das nie in mir sterben wird. Mein Bauchgefühl sagt mir zwar, dass Bianca tot ist, aber solange man ihre sterblichen Überreste nicht findet, kann und will ich mich mit diesem Gedanken nicht abfinden.“

Nur schwer erträgt Biancas Mutter die schrecklichen Gedanken, die bei jeder Erinnerung an ihre Tochter seit fünfzehn Jahren präsent sind. Es sind die schrecklichen Albträume, die an ihren Kräften zehren. „Ich träume, dass Bianca zur Türe hereinkommt, aber bevor ich sie in die Arme schließen kann, ist sie schon wieder herausgelaufen. Ich folge ihr nach draußen und laufe dann gegen eine weiße Schneewand, hinter der unerreichbar mein Kind steht und mir zuwinkt.“

So leidet Erika Schneider seit 15 Jahren unter der schrecklichen Ungewissheit. Unter dem Verlust ihres einzigen Kindes, aber auch unter dem Verlust ihres geliebten Enkelkindes Justin, den das Jugendamt kurz nach Biancas Verschwinden in eine Pflegefamilie gab, und der nun in einem Heim leben muss „Bis auf ein kurzes Treffen vor zwei Jahren habe ich ihn all die Jahre leider nicht sehen können“, erzählt Erika Schneider.

Sollte Bianca Blömeke Opfer eines Verbrechens geworden sein - und dafür spricht vieles -steht für Erika Schneide r nicht die Höhe einer möglichen Strafe des Täters im Vordergrund. „Natürlich muss soll der, der Bianca etwas angetan hat, zur Rechenschaft gezogen werden. Aber wichtiger für mich ist, Bianca zu finden, damit ich sie sie ordentlich begraben und um mein Kind trauern zu können.

wolfgang.hillnhuetter@brandzeilen.de

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Info


Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 50.000 Kinder vermisst gemeldet

Bei den meisten vermissten Kindern handelt es sich um so genannte Ausreißer, die nach kurzer Zeit wieder Zuhause sind. Wie Bianca verschwinden jedoch mehr als eintausend (!) Kinder pro Jahr spurlos. In den Statistiken werden sie als „dauerhaft vermisst“ geführt.

Weitere Infos zum Thema:

www.vermisste-kinder.de

www.duwirstvermisst.de


Weitere Infos zum Vermisstenfall Bianca finden Sie auf ihrer Facebookseite.


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