Rentnerehepaar überführte dreiste Kaffeefahrtbetrüger

Von Claus Hollmann

Kategorien: Happy End


Datum: 07.04.2015

Die Senioren hatten sich auf einen schönen Nachmittag in einem Gasthaus gefreut, in der die Schweiz kulinarisch zu Gast sein sollte. Stattdessen wurden sie genötigt, ein angebliches Antikrebsgerät für 1.975 Euro zu kaufen. Ehepaar K. witterte den Betrug und informierte die Polizei. Als das Gerät geliefert wurde, warteten zwei Beamte auf die Kaffeefahrt-Ganoven. BrandZeilen.de hat das Ehepaar in Düsseldorf besucht.

Die Dimensionen sind erschreckend: jährlich nehmen etwa 5 Millionen Menschen an mehr als 100.000 (!) so genannter Kaffeefahrten teil und spülen damit den windigen Veranstaltern satte 500 Millionen Euro in die Kassen. Die zumeist illegalen Veranstaltungen wuchern mittlerweile wie Krebsgeschwüre über die Landkarte.

Die Masche des überaus erfolgreichen Geschäftsmodells Kaffeefahrt ist immer die gleiche: Die Veranstalter sammeln Adressen von Leuten ab 60 Jahren aufwärts und suggerieren ihnen in einem Schreiben, sie hätten in einem Preisausschreiben gewonnen oder bekämen wertvolle Geschenke oder Präsentkörbe überreicht, die bei einem Gratis-Ausflug in Empfang genommen werden könnten. Doch statt eines Geschenks erwartet sie ein cleverer Verkäufer, der ihnen völlig überteuerte Heizdecken, nutzlose Vitaminpräparate oder wertlose medizinische Geräte zu Fantasiepreisen verkauft.

„Diese Betrüger ziehen wehrlosen Rentnern mit Tricks und Druck systematisch das Geld aus der Tasche“, weiß Bruno K. aus bitterer Erfahrung. Schon öfter hatten der Düsseldorfer Rentner und seine Frau Krystyna (73) an Kaffeefahrten teilgenommen und sich überteuerte Waren andrehen lassen. „Eigentlich wollten wir nie mehr an einer solchen Verkaufsveranstaltung teilnehmen, zumal unser Sohn Paul uns immer vor den miesen Tricks dieser Leute gewarnt hat“, sagt der 79-jährige, der bis zu seiner Pensionierung als Techniker bei einem großen Automobilkonzern gearbeitet hat. Entsprechende „Einladungen“ landeten daher lange Zeit sofort im Mülleimer.

Doch dann wurde das Ehepaar erneut schwach. „Die Schweiz bei Ihnen Zuhause“, stand auf dem Prospekt, das sie in ihrem Briefkasten fanden. Versprochen wurde ihnen ein kostenloses Mittagessen und ein „wertvolles Probierpaket mit Schweizer Spezialitäten“, „Ehepaare erhalten die doppelte Menge“. Die Reise führte das Paar in eine Gaststätte im Düsseldorfer Stadtteil Unterrath, insgesamt zwanzig ältere Herrschaften erhofften sich dort einen schönen Nachmittag.

„Der Verkäufer kam sehr schnell auf das Thema Gesundheit zu sprechen und erzählte, dass in der Schweiz ein Gerät entwickelt worden sei, mit dem die unterschiedlichsten Krankheiten schnell und effektiv geheilt werden könnten“, berichtet Krystyna K.. Und das kam bei den alten Menschen gut an. Denn wer unter ihnen litt nicht an dem einen oder anderen Zipperlein. Sage und schreibe 1.975 Euro sollte das „Bio-Energie-Therapiegerät“ kosten, dem der clevere Verkäufer und seine vollbusige Assistentin Bettina wahre Wunderkraft andichteten. Es sollte schlicht gegen alles helfen. Gegen Alzheimer, Parkinson, Blasenschwäche, Schmerzen aller Art und sogar gegen Krebs. Man müsse sich nur zwei Mal am Tag von diesem Gerät massieren lassen…

Das Geschäft mit der Angst vor tödlichen Krankheiten funktionierte bei den alten Menschen auch dieses Mal. Gleich mehrere Rentner unterzeichneten unterschrieben einen Kaufvertrag, nachdem das Verkäufer-Duo ihnen einen „Zuschuss“ in Höhe von bis zu 500 Euro bei sofortigem Vertragsabschluss zugesagt hatte. Auch die Krauses unterschrieben - sie hatten sich mit einem weiteren „Barzahlungsrabatt“ weich klopfen lassen. Für „nur“ 800 Euro wollte man ihnen das angebliche Wundergerät überlassen. „Es sollte gegen meine Rücken-schmerzen und die Krampfadern helfen“, sagt Krystyna K. Weil sie und ihr Mann nicht genügend Bargeld dabei hatten, sollten die Lieferung und die Bezahlung am nächsten Tag bei ihnen Zuhause erfolgen. Eine Kopie des Kaufvertrages, in dem auch ein Rücktrittsrecht und der Hersteller des angeblichen Wundergerätes vermerkt waren, gab man ihnen jedoch nicht mit.

„Schon am Abend kamen uns große Zweifel, uns wurde plötzlich klar, dass man uns betrügen wollte, und wir viel Geld für ein nutzloses Gerät bezahlen sollten, mit dem man mit Sicherheit keine schweren Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer heilen kann“, sagt Opa Bruno, der daher fest entschlossen war, den Kaffeefahrt-Abzockern eine Falle zu stellen. Kurzerhand informierte er die Polizei.

Als die Ganoven am nächsten Tag bei Ihnen an der Türe klingelten, warteten zwei Beamte im Hinterzimmer. Kaum hatte Assistentin Bettina das Gerät ausgepackt und den Kaufpreis gefordert, schnappte die Falle zu. Die Polizisten traten ins Zimmer und verhinderten den Betrug. Sie nahmen die Personalien der völlig verdutzten Ganoven auf, beschlagnahmten das angebliche Wundergerät und durchsuchten anschließend den Transporter, mit dem das Duo vorgefahren war.

 „Wir waren erleichtert, als alles vorbei war, denn die ganze Aktion war doch ziemlich aufregend“, sagt Bruno K., der für sein vorbildliches und umsichtiges Verhalten ein großes Lob von der Polizei bekam. Hatten er und seine Frau doch entscheidend dazu beigetragen, dass zwei gerissene Kaffeefahrt-Betrüger auf frischer Tat erwischt wurden.

„Da solche Verkaufsveranstaltungen grundsätzlich unseriös sind, sollten Sie auf keinen Fall etwas kaufen oder Verträge abschließen“, warnt dann auch Kriminalhauptkommissar Lutz Türk(53) von der Düsseldorfer Polizei. „Unter dem Strich bekommen Sie auf Kaffeefahrten nichts geschenkt, sonder nur Ramsch zu völlig überhöhten Preisen angedreht.“

So sind denn Bruno K. und seine Frau endgültig kuriert. Zwar flattern ihnen noch immer fast jeden Tag Einladungen zu Kaffeefahrten oder Verkaufsveranstaltungen ins Haus, aber die landen jetzt wieder ungeöffnet im Mülleimer. „Falls wir doch mal mitfahren, machen wir das nur, um andere Senioren vor den Kaffeefahrtbetrügern zu warnen oder denen wieder eine Falle zu stellen“, sagt das clevere Rentnerpaar.

Und die 800 Euro, die ihnen die Ganoven für ein wertloses Therapiegerät aus der Tasche ziehen wollten, haben sie zwischenzeitlich wesentlich sinnvoller angelegt: Für einen Urlaub an der Ostsee anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit.

claus.hollmann@brandzeilen.de

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Interview


Oberkommissar Bernhard Stitz

Warum haben Sie sich als Polizeibeamter den Kampf gegen die Kaffeefahrtenmafia auf Ihre Fahnen geschrieben ?

„Kaffeefahrten sind immer unseriös und zumeist illegal.  Waren, die bei solchen Veranstaltungen angeboten werden, sind grundsätzlich von minderwertiger Qualität und völlig überteuert. Die windigen Veranstalter ziehen ihren wehrlosen Opfern systematisch das Geld aus der schmalen Rentenbörse. Für mich sind das zweifelsohne Fälle von organisierter Kriminalität.“

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