Sie fanden sich wieder - nach über 50 Jahren

Von Claus Hollmann

Kategorien: Happy End, Schicksale


Datum: 12.04.2015

Es war Liebe auf den ersten Blick, als sich Gisela und Heinz 1963 in Magdeburg trafen. Nach neun Monaten trennten sich ihre Wege, beide heirateten ihre neuen Partner. Nach dem Tod seiner Frau machte sich Heinz auf die Suche nach seiner ersten großen LIebe. Schon beim ersten Wiedersehen spürten sie den Zauber ihrer Liebe und sind jetzt wieder ein Paar. BrandZeilen.de hat sie vor den Toren Berlins besucht.

Es ist ein Bild inniger Liebe: Zärtlich legt Heinz Assmann(73) den Arm um seine Gisela, schaut ihr tief in die Augen und gibt ihr einen zärtlichen Kuss. „Ich habe wieder Schmetterlinge im Bauch- wie damals“, strahlt die 67-Jährige, während sie ihrem Heinz liebevoll die Hand streichelt. Damals, das war Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als sich die damals 16-jährige Gisela in Magdeburg unsterblich in den fünf Jahre älteren Heinz verliebte. Neun Monate waren die beiden ein Paar, sie verloren sich aus den Augen, fast ein halbes Jahrhundert später haben sie erneut zueinandergefunden und leben nun glücklich zusammen.

  An den Tag im Oktober 1963, an dem sich die beiden zufällig begegneten, erinnert sich Gisela Starke, als ob es gestern gewesen wäre. „Ich machte eine Ausbildung zur Friseuse und war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, als ein fescher junger Mann die Straßenbahn betrat“, erzählt Gisela, für die es die berühmte Liebe auf den ersten Blick war. Und auch Heinz, der damals als junger Wehrpflichtiger in Magdeburg stationiert war, war angetan von der hübschen Blondine mit den toupierten Haaren und den großen, strahlenden Augen. „Ich habe sie minutenlang angeschaut, aber mich getraut, sie anzusprechen“, so seine Erinnerung an diesen Moment in der Straßenbahn. Als er ausstieg, bemerkte er im Augenwinkel, dass das hübsche Mädchen ihm unverhohlen hinterher schaute. Doch da war es schon zu spät…

  Dass sie sich schon am selben Abend auf einem Rummel in Magdeburg erneut begegneten, verstanden beide als Wink des Schicksals. „Ich habe allen Mut zusammengenommen und das hübsche Mädchen aus der Straßenbahn angesprochen“, erzählt Heinz. „Ich habe sie gefragt, ob sie mit mir mal zum Tanzen gehen würde.“ Natürlich wollte Gisela, die sich schon bald von dem jungen Soldaten nach Hause bringen ließ. Es folgten die erste zaghafte Berührung, ein verliebtes Händchen halten und der erste Kuss. „Ich war bis über beide Ohren in Heinz verliebt“, schwärmt Gisela noch heute. „Auch Gisela war meine erste große Liebe“, fügt Heinz hinzu, der sich ebenfalls unsterblich verliebt hatte.

  Fortan waren die beiden unzertrennlich. Jede freie Minute verbrachten sie zusammen. Heinz führte seine Angebetete ins Kino, sie gingen zusammen spazieren und an den Wochenenden zum Tanzen. Neun Monate lang erlebten sie den Zauber der ersten großen Liebe. Sie hatten Schmetterlinge im Bauch und sahen ihre gemeinsame Zukunft in rosaroten Farben. Heinz stellte sich vor, wie schön es wäre, mit seiner Gisela endlich mehr als nur Händchen zu halten. Und auch Gisela träumte heimlich davon, ihren Heinz einmal ganz für sich zu haben, sich von ihm verführen zu lassen und mit ihm die körperliche Liebe zu entdecken. Doch dazu kam es nicht. „Es war halt eine andere Zeit, nicht so offen wie heute, zudem war Heinz sehr schüchtern und zurückhaltend, er hat mich nie bedrängt“, erinnert sich Gisela.

  Als dann auf einmal alles vorbei war, weil Heinz nach Brandenburg versetzt wurde, flossen die Tränen.  Beide litten unter der Trennung, sie spürten ihren ersten Liebeskummer. Heinz blieb nur ein Foto seiner geliebten Gisela, das er fortan wie einen Schatz hütete.

  Nach der unfreiwilligen Trennung gingen sie ihre eigenen Wege, ohne dass sie sich je wieder begegnet wären oder voneinander gehört hätten. Gisela heiratete 1966, sie bekam zwei Söhne und zog 1990 mit einem neuen Lebensgefährten von Magdeburg ins westfälische Minden. Heinz heiratete 1964, auch er wurde Vater von zwei Kindern und lebte mit seiner Familie im brandenburgischen Zossen.

  Als seine Frau Hannelore 2008 an einer schweren Krebserkrankung starb, wollte Heinz nicht alleine bleiben. „Ich habe lange überlegt, wo und wie ich einen lieben Menschen finden könnte, mit dem ich noch einmal glücklich werden könnte“, erzählt er. „Und was lag da näher, als mich auf die Suche nach meiner großen Jugendliebe zu begeben? Ich wusste, dass ich keinen lieberen Menschen als Gisela auf dieser Weltfinden würde.“

  Fast ein Jahr dauerte die Suche. Schließlich kannte er nur ihren Mädchennamen: Gisela Brandt. Er recherchierte im Internet, fragte bei Standes- und Einwohnermeldeämtern nach. „Ich erfuhr, dass Gisela seit ihrer Heirat Starke heißen und irgendwann nach Minden gezogen sein soll“, berichtet Heinz Assmann. Als er schließlich eine Gisela Starke samt Telefonnummer im Nachbarort Porta Westfalica ausfindig gemacht hatte, rief er dort an. „Ich musste sehr vorsichtig und behutsam vorgehen, schließlich wusste ich nicht, ob es wirklich die Richtige ist und ob sie verheiratet ist oder einen Partner hat“, erzählt Heinz. Doch seit dem Tod ihres letzten Lebensgefährten 1999 lebte Gisela allein.

  „Hießen Sie mal Gisela Brandt, lebten Sie mal in Magdeburg und haben Sie eine Ausbildung zur Friseuse gemacht?“, waren die drei Fragen, die er sich vorher gut überlegt hatte und diese nun höflich stellte. Als die  völlig verdutzte Frau am anderen Ende der Leitung alle drei Fragen mit „Ja“ beantwortet hatte und daraufhin wissen wollte, wer sie denn da anrufe, kam der Satz, der Giselas Herz fast zum Stehen gebracht hätte. „Hier ist Heinz Assmann. Erinnerst du dich an mich und unsere Zeit in Magdeburg?“

  Natürlich erinnerte sich. „Ich hatte sofort dieses wunderschöne Kribbeln im Bauch, und die neun Monate unserer Beziehung liefen dann wie ein romantischer Liebesfilm vor meinem geistigen Auge ab“, sagt Gisela. Schon am nächsten Tag hatte sie einen Brief mit einem Foto ihrer Jugendliebe in der Post, und nach einem weiteren Telefonat verabredeten sie sich zu einem erstes Treffen. „Als ich mich ins Auto setzte, war ich nervös wie an jenem Oktoberabend 1962, als ich Heinz auf dem Rummel traf“, berichtet Gisela. Dann kam der große Augenblick. Sie stand an der Tür des Mannes, in den sie vor mehr als einem halben Jahrhundert unsterblich verliebt war. „Es hat bei uns beiden sofort wieder gefunkt und Klick gemacht, wir hatten beide wieder dieses unbeschreibliche Kribbeln und die berühmten Schmetterlinge im Bauch“, sagen Gisela und Heinz wie aus einem Mund.

  Und schon nach ein paar Stunden verspürten sie trotz der langen Zeit der Trennung wieder das Gefühl unsterblicher Liebe, eine Vertrautheit und ein unbeschreibliches Zusammengehörigkeit. Frei nach dem Motto, für die große Liebe ist es nie zu spät, holten sie schon bald das nach, was ihnen damals als Teenager noch verwehrt geblieben war. „Der Zauber der Liebe war wieder da, wir fühlten uns zurückversetzt in die Zeit, in der wir beide unsterblich ineinander verliebt waren und krank vor Sehnsucht waren, wenn wir uns einen Tag mal nicht sehen konnten“, sagt das neue - alte Liebespaar. „Wir waren verliebt und sind es jetzt wieder, was kann es schöneres geben? Möglich wurde unsere heutige Liebe aber nur, weil wir beide alleine waren, als wir uns wieder fanden, keiner musste einem Partner wehtun oder sich für unsere Liebe von jemandem trennen. Das ist auch der Grund, warum wir heute völlig unbeschwert und unbekümmert unsere Liebe und unser Glück wieder genießen können.“

  Nachdem sie sich längere Zeit nur an den Wochenenden sahen und zwischen Brandenburg und Nordrhein-Westfalen pendeln mussten, stand ihr Entschluss fest. Gisela gibt ihre Wohnung auf und zieht zu Heinz. Seitdem leben die beiden unter einem Dach. „Davon haben wir damals insgeheim immer geträumt, und dieser Traum von einem gemeinsamen Leben ist jetzt in Erfüllung gegangen“, sagen die beiden, die jedoch nicht mehr heiraten möchten. „Einen Trauschein brauchen wir nicht, unsere Liebe hat auch ohne offiziellen Rahmen Bestand. Wir wollen für immer zusammenbleiben und uns über jeden Tag freuen, den wir gemeinsam mit Schmetterlingen im Bauch verbringen dürfen. Unsere zarte Jugendliebe ist das unerschütterliche Fundament, auf dem unsere Beziehung heute steht für immer erdbebensicher Bestand haben wird. Bis dass der Tod uns scheidet. Da sind wir uns ganz sicher.“

claus.hollmann@brandzeilen.de

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Info


Nützliche Tipps für die erfolgreiche Suche nach verschollenen Personen

Das Internet bietet eine gute Möglichkeit, über die unterschiedlichsten Suchmaschinen wie www.wobistdu.com nach Verschollenen zu forschen. Zudem gibt es im Netz virtuelle „Klassentreffen“, bei denen man Personen suchen und finden kann. Da Männer meistens ihren Namen ihr Leben lang behalten, ist die Suche nach ihnen einfacher als die Suche nach Frauen.


Falls Sie den Geburtsort der gesuchten Person kennen, hilft Ihnen das zuständige Kirchenamt weiter. Dort gibt es Tauf- und Eheunterlagen, die in der Regel gut verwaltet und über den Tod hinaus sorgfältig aufbewahrt werden.

Auskünfte - zumeist gegen eine nur geringe Gebühr - erteilen auch die Gemeindeverwaltungen und Einwohnermeldeämter. Fragen Sie am letzten, Ihnen bekannten Wohnort der gesuchten Person nach! Dort erfahren Sie, wohin sie wann umgezogen ist. So landen Sie, falls sie öfter umgezogen ist, zum Schluss bei der aktuellen oder der letzten Meldeadresse.Im schlimmsten Fall erfahren Sie, dass die gesuchte Person verstorben ist.

Wer es sich einfach machen will, kann eine Detektei mit der Suche beauftragen oder die Hilfe eines kostenpflichtigen Internetsuchdienstes in Anspruch nehmen.


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